Mit dem Zweiten sieht man besser

Hier soll nicht der Werbeslogan des Mainzer Fernsehsenders diskutiert werden, sondern die Vernetzung von Fernsehen mit Tablets und Smartphones.
Eine Studie aus Großbritannien aus dem Jahr 2012 hat ergeben was sich wohl in ähnlichem Maßstab in deutschen Wohnzimmern abspielt.

80% der Smartphone Besitzer sowie 81% der Tablet Besitzer nutzen ihre Geräte auch während des Fernsehens. Eine Logische Konsequenz davon ist, dass TV Sender Zusatzinformationen anbieten und somit das Fernsehprogramm unterstützen. Lapidar kann man das als Fernsehen 2.0 oder „Mitmachfernsehen“ bezeichnen, doch es steckt weit mehr dahinter. Die korrekten Bezeichnungen lauten Social TV und Second Screen.

Doch lenkt es und nicht zu sehr vom eigentlichen „Akt“ des Fernsehens ab, wenn wir während einer Sendung und zusätzlich noch mit Informationen versorgen oder jede Handlung im Social Web kommentieren? Wird es statt dem gemütlichen Fernsehabend mit Bier und Chips auf dem Sofa bald Bier, Salzstangen und Smartphone heißen? Nur damit keine fettigen Fingerabdrücke aufs Handy kommen.

Seit einiger Zeit gibt es zu verschiedenen Sendungen bei Twitter gleichnamige Hashtags, unter denen das Gesehene kräftig diskutiert, kommentiert sowie kritisiert wird. Als Bestes Beispiel dient hierfür wohl
Wetten, dass?

Innerhalb der Sendung wird nicht auf die Beiträge eingegangen, eventuell sollte das ZDF mal darüber nachdenken und die Zuschauer in die Show integrieren.

Besser macht es der Musikkanal Tape.tv mit einer eigenen Sendung bei ZDF Kultur. Hier haben die User die Möglichkeit im Rahmen einer live Sendung Fragen an die Künstler zu stellen welche dann vor laufender Kamera beantwortet werden.

Wenn sich der engagierte Fussballfan früher darauf beschränken musste sein Fachwissen mit seinen Freunden auf dem Sofa zu teilen kann er dies heute über Twitter und Facebook mit der ganzen Welt teilen. Über die App iLiga kann man sich während ein Spiel läuft den Ballbesitz oder die Zweikampf Werte anschauen.

Die ARD bezeichnet das ganze als „Social Viewing“. Nutzern Mobiler Geräte sollen über die ARD App zur Sendung passende Beiträge angezeigt werden. Außerdem ist es Usern möglich diese zu kommentieren und an Diskussionsrunden teilzunehmen. Eine Sendung endet nun nicht mehr nachdem sie ausgestrahlt wurde sondern sie wird im Social Web weitergeführt.

Aktuelle Statistiken zeigen, wie beliebt es ist während dem Fernsehen seinen „Senf“ dazuzugeben. Dabei ist bemerkenswert, dass Facebook und Twitter Nutzer verschiedene Sendungen und Formate bevorzugen. Bei Facebook führen mit großem Abstand die Pseudo-Doku-Soaps „Berlin Tag & Nacht“ sowie „Köln 50667“ des Senders RTL2.

www.social-tv-monitor.de www.social-tv-monitor.de

http://www.social-tv-monitor.de

Alles in allem muss man sagen, dass Social TV sowie der Second Screen noch in den Kinderschuhen stecken. Fest steht, dass TV Sender diese Formate massiv ausbauen werden um den Nutzer bestmöglich zu informieren.
Allerdings sollte man die „klassische“ Art fernzusehen nicht vergessen.
Es kann sehr entspannend sein sich nur vom Fernseher berieseln zu lassen und dabei die ganze Welt um einen herum zu verdrängen.

Christoph Thalemann

Kommunikationswissenschaft Uni Bamberg

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Ein Gedanke zu “Mit dem Zweiten sieht man besser

  1. Die „klassische Art, fernzusehen“ ist für mich vielmehr das interessierte Verfolgen der Sendung (ohne Social TV) als das „Sich Berieseln Lassen“. Das Sich Berieseln Lassen gab es doch früher so nicht. Fernsehen war – ähnlich wie das Radio vor langer Zeit – ein Einschaltmedium.

    Ich persönlich denke, Social TV ist für beide Arten des Fernsehens, sowohl für die der Berieselung als auch des interessierten Verfolgens von Relevanz. Wenn ich mich nur berieseln lassen will, kann gerade das der Grund dafür sein, dass ich auch mal auf das Smartphone schaue und mir Postings zur Sendung durchlese, nach Informationen recherchiere oder eventuell auch mal selber meinen Senf dazu gebe. Wenn ich aber wirklich vertieft in eine Sendung bin, was früher sicher häufiger der Fall war als heute, kann das der Grund sein, dass ich das mobile Endgerät oder den Laptop während der Sendung ganz liegen lasse (aber vielleicht im Nachhinein darüber diskutieren oder andere Meinungen lesen will).

    Natürlich kann man auch jeweils in die andere Richtung argumentieren, aber Berieselung und Social TV schließen sich meiner Meinung nach nicht aus.

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