Leser-Reporter: Chance und Gefahr zugleich!

Quelle: Wikimedia Commons

Der Beruf des Fotografen verliert durch den Leser-Reporter immer mehr an Bedeutung. Quelle: Wikimedia Commons; Autor: Zwiadowca21; CC-Lizenz

Eine gigantische dunkle schwarze Wolke zieht über Ludwigsburg. Die Anwohner sind gezwungen, ihre Häuser zu verlassen und ein Großaufgebot der Feuerwehr kämpft gegen das Flammeninferno. Es entstehen spektakuläre Bilder und die Bild-Zeitung bekommt massenweise Aufnahmen zugesendet, ohne dass sie einen Reporter vor Ort hatte. Wie konnte es dazu kommen?

Seit 2006 zahlt der Axel-Springer-Verlag seinen Konsumenten eine Gage für publikationswürdige Aufnahmen. Wird eine Foto in der bundesweiten Ausgabe der Bild-Zeitung veröffentlicht, erhält der Produzent einmalig 250 Euro. Wird ein Foto oder mehrere Aufnahmen aus dem Video in einer regionalen Ausgabe der Bild publiziert, erhält man immer noch 50 Euro.

http://www.bild.de/ka/p/upload1414

Die Motive der meist verkauftesten Zeitung Deutschlands liegen auf der Hand: Mit geringem finanziellem Aufwand soll eine Verbindung zwischen dem Konsumenten und der Redaktion hergestellt werden. Die Journalisten müssen, um an aufsehenerregende Bilder zu gelangen, nicht einmal mehr vor Ort aktiv werden.

https://twitter.com/leserreporter

Wie gut dieses Modell nach sieben Jahren funktioniert, zeigte der geschilderte Großbrand in Ludwigshafen Mitte Juni. Insgesamt 78 Bild-Leser beteiligten sich als Reporter und schickten die selbsterstellten Aufnahmen mit ihrem Smartphones oder Kameras in die Bild-Redaktion – ein neuer Rekord! Wie die Bild ruft seit 2006 ebenfalls der Stern gezielt und großformatig zum Einsenden von Fotos auf. 2012 folgte dann zum Beispiel auch die Berliner Morgenpost.

Während in den Anfangsjahren die Journalisten noch mit schlechter Qualität der zugesendeten Bilder zu kämpfen hatten, sind in die neuesten Smartphones Kameras integriert, mit denen man Videos in HD aufnehmen kann. So besitzt das aktuelle iPhone5 eine 8-MP-Digitalkamera. Hinzu kommt, dass erst ein Jahr nach Einführung des Lesereporters das erste Smartphone auf den Markt kam – im Jahr 2013 besitzt nun mittlerweile jeder Zweite solch ein Handy, sodass das Aufnahmenversenden zum Kinderspiel wird.

IPhone5withlightning

Mittlerweile besitzt jeder Zweite ein Smartphone. Quelle: Wikimedia Commons; Autor: MyXyloto, CC-Lizenz

Im Zeitalter von Social Media laden wir zudem einfach auf Facebook oder Twitter unsere Erlebnisse hoch und können sie in Sekundenschnelle der kompletten Welt vorstellen. Davon lässt sich natürlich auch der Reporter beeinflussen und weiß immer, was gerade auch an den Orten passiert, an denen er sich nicht aufhalten kann.

So atemberaubend teilweise die eingesendeten Bilder von vor allem Autounfällen oder Naturkatastrophen aber auch sind, muss aus journalistischer Sicht deutliche Kritik geübt werden. Schließlich besitzen die Lesereporter keine journalistische Ausbildung und orientieren sich also nicht an den professionellen Redaktionen. Im Gegenteil: Da häufig aus Kostengründen keine vor Ort Bilder selbstgemacht oder von Fotoagenturen gekauft werden, übernimmt der Journalist umgekehrt die Amateuraufnahmen, die meist schnell und unbedacht aufgenommen wurden. Zudem besteht ein immenses Problem darin, die Informationen auf Wahrheitsgehalt zu prüfen, da die Augenzeugen die Recherchearbeit der Redakteure, Fotografen oder Kameraleute nicht ersetzen können.

Doch trotz dieser Problematiken ist eindeutig festzustellen, dass die Lesereporter als neue Medienmitarbeiter bezeichnet werden können. Aufgrund der steigenden Aktivitätszahlen auf den Social-Media-Plattformen Facebook und Twitter ist sogar davon auszugehen, dass in Zukunft diese Reporter noch weiter an Bedeutung gewinnen.

Florian Greß
Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich Universität Bamberg

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