Bleibt höflich, bleibt zurückhaltend!

Unbenannt-1Man neigt normalerweise nicht dazu, fremde Menschen grob zu beschimpfen oder ihnen gar den Tod zu wünschen. Zumindest solange man ihnen Angesicht zu Angesicht gegenüber steht. Im Internet, unter dem Deckmantel von Pseudonymen und der Nicht-Greifbarkeit hinter den Bildschirmen scheint dieses Normal schnell vergessen zu sein. Kein Wunder, dass der Frust von Bloggern wie Timo Stein angesichts des rauen Umgangston beständig steigt. Wer in sozialen Netzwerken tätig ist, wird früher oder später auf Trolle und andere unangenehme Zeitgenossen stoßen und das Bedürfnis nach verbindlichen Benimmregeln im Internet entwickeln, wie sie beispielsweise Knigge  oder eEtiquette vorschlägt.
So lange es das Internet gibt, werden auch ebensolche Richtlinien für dieses ausgesprochen; so auch für Twitter. Kevin Allen von PR Daily geht in seinen 10 Essentials of Twitter Etiquette über Höflichkeitsregeln hinaus und wird sehr konkret in seinen Vorstellungen, wie man seinen Twitter-Account optimal nutzen sollte. Er schreibt über das Vermeiden von automatischen Antworten und manuellem Retweeten, beschränkt die Anzahl von Hashtags pro Beitrag und gibt Empfehlungen, wem man folgen und warum man Aufmerksamkeit erregen sollte.
Diese 10 Gebote sind willkürlich herausgegriffen; man findet im Netz zahlreiche weitere Regeln, Richtlinien und Gebote, die alle – mal mehr, mal weniger ausführlich – das Gleiche aussagen: bleibt höflich, bleibt zurückhaltend mit privaten Informationen und schreibt nichts Redundantes. Die Frage, die sich dabei aufdrängt: braucht es überhaupt eine Netiquette, wenn doch letztendlich alle das Gleiche schreiben und dementsprechend alle eine ähnliche Meinung haben?
Durch immer wieder auftretende Shitstorms und unflätige Kommentare entsteht sicherlich der Eindruck, eine solche Netiquette werde gebraucht. Meiner Meinung nach sind sie aber schlussendlich nichts anderes als Übertragungen der gesellschaftlichen Umgangsformen, die wir bei einigermaßen guten Erziehung schon in unserer Kinderstube vermittelt bekamen. Wer sich daran orientiert, läuft auch online nicht Gefahr, sich unangemessen zu verhalten und anderen auf den Schlips zu treten.

Julia Kunkel
Kommunikationswissenschaften, Uni Bamberg

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