Virtuelle Shops in U-Bahnen – Südkorea macht’s vor

Onlineshopping ist in der modernen Welt kaum noch wegzudenken. Es ist oft schneller, bequemer und kostengünstiger. Es gibt unzählige Onlineshops, die dem Käufer eine umfangreiche Auswahl an verschiedenen Produkten bieten. Aber wie viele Onlineshops gibt es für Lebensmittel?

Es findet sich eher selten ein solcher Onlineshop für Lebensmittel, der den Käufer tatsächlich davon überzeugt in diesem einzukaufen. Gerade wegen der Lieferzeit, im Regelfall ein bis zwei Werktage, ist dies für einen durchschnittlichen Konsumenten einfach zu lange. Somit bevorzugen die meisten immer noch das traditionelle Einkaufen dieser Produkte im Einzelhandel oder Supermärkten.

Doch wie muss der Online-Vertrieb von Lebensmitteln sein, damit wir den Onlineshop den Supermärkten vorziehen? Hier kommt ein gelungenes Beispiel.

Die Idee

Die britische, weltweit vertretene Supermarktkette Tesco erkannte die Probleme des Online-Vertriebs von Lebensmitteln und entwickelte dazu eine geniale Lösung: die Einrichtung von virtuellen Shops in U-Bahnen. Der Versuch startete in Seoul, Südkorea. Über Nacht eröffnete die Supermarktkette 260 virtuelle Einkaufstheken in mehreren U-Bahn Stationen des asiatischen „Tigerstaates“. Ab diesem Moment konnten die Käufer mit Hilfe von QR-Codes auf den virtuellen Regalen mit den Abbildungen von über 500 bekanntesten Lebensmitteln, bequem mit ihrem Smartphone einkaufen und somit auch ihre Wartezeit sinnvoll nutzen.

Und so einfach geht’s: die App von Tesco herunterladen, QR-Code neben dem Bild des jeweiligen Produktes einscannen und nach Hause fahren. Zuhause angekommen, wird das Paket mit den bestellten Produkten noch am gleichen Abend angeliefert.

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Quelle: Little Doremi

Das Ziel und das Ergebnis

Das Ziel von Tesco war es, in erster Linie ihre eigenen Umsatzzahlen zu steigern und somit ihren Marktanteil zu sichern und auszubauen. Bisher war Tesco in Südkorea auf Platz zwei hinter der Supermarktkette E-Mart vertreten. Verglichen mit E-Mart hatte Tesco weniger Supermärkte und wollte nun ohne ein weiteres Geschäft eröffnen zu müssen, den Umsatz steigern. So entstand die innovative Marketingstrategie von Tesco Homeplus.

Tesco ist es gelungen innerhalb von wenigen Monaten ihre Umsatzzahlen um 130% zu steigern, ohne dabei eine weitere Filiale zu eröffnen. Tesco ist nun in Südkorea die Nummer 1 im Bereich des Onlineshoppings und nur im Offlineshopping die Nummer 2.

Inzwischen hat das Unternehmen aufgrund des Erfolges zusätzlich zu den Plakatwänden an U-Bahn-Stationen sogar einen ganzen virtuellen Homeplus-Supermarkt eingerichtet. In diesem können die Kunden durch die Gänge laufen und ganz einfach mit ihrem Smartphone einkaufen.

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Quelle: ohne tüte

Des Weiteren hat Tesco die virtuellen Shops auch an Bushaltestellen von Seoul angebracht.

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Quelle: Tesco PLC

Auch in England hat Tesco diesen Versuch gestartet und installierte am Londoner Gatwick Flughafen Bildschirme mit einer Produktpalette von über 20.000 Artikeln. Über diese können die Anreisenden vor der Fahrt nach Hause bequem einkaufen.

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Quelle: Business Insider

Diese innovative Erfindung von Tesco wurde vom Londoner Design Museum für „Design of the Year“ im Jahr 2011 nominiert. Eine Nachahmung eines solchen virtuellen Shops wurde bereits im Londoner Design Museum für die Besucher ausgestellt.

Kritik und Zukunftsaussichten

Sicherlich wird ein virtueller Shop nicht überall den gleichen Erfolg verspüren wie in Seoul. Diese Shops müssten in Deutschland gezielt eingesetzt werden, in Regionen mit vielen Berufstätigen, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Aus der Sicht des Konsumenten wäre ein virtueller Shop auch nicht jedermanns Sache. Hier können einige Faktoren eine Rolle spielen, z.B. persönliche Einstellung, fehlendes Vertrauen in die Liefertreue und Qualität bzw. Zustand bestimmter Produkte bei der Anlieferung, wie z. B. Salat, Fleisch-, Käseprodukte und ähnliches.

Betrachtet man die Statistik „Smartphone wird zum Shopping-Tool“ vom Mai 2012, wird es ersichtlich, dass Länder wie Vereinigtes Königreich und Deutschland Spitzenreiter im Bereich des Smart-Shoppings sind. Zum Beispiel hat das Vereinigte Königreich rund 6,5 Mio. Smartphone-Nutzer, die mindestens einmal online eingekauft oder einen Onlineshop besucht haben. Dicht gefolgt kommt Deutschland mit 5,8 Mio. Smartphone-Nutzern. Der Trend ist dahingehend, dass in den nächsten Jahren auch die Anzahl der Smartphone-Nutzer enorm steigen wird, so dass auch das Smartphone immer mehr als Shopping-Tool eingesetzt wird.

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Quelle: Statista


Vorteil für den Verkäufer:

Zum Betreiben eines virtuellen Shops würden dem Verkäufer relativ geringere Kosten anfallen, wenn man diese einer Filiale gegenüberstellt. Zusammengefasst kann man sagen, dass nur eine zentrale Lagerhaltung, eventuell eine eigene Vertriebsabteilung und ein zuverlässiger Transport für den Shop notwendig wären. Daraus folgt, dass durch diese Kostenersparnis auch die Wettbewerbsfähigkeit des Verkäufers steigen würde.

 

Vorteil für den Käufer:

Der Käufer hat nun die Möglichkeit während er auf die U-Bahn oder auf seinen Bus wartet, die Einkäufe einfach nebenher zu erledigen und hat somit mehr Zeit für andere „wichtigere“ Aktivitäten oder für seine Familie und Freunde.

Fazit

Das Einkaufen via Smartphone ist der neue Zukunftstrend. Denn somit wird unser Alltag ein wenig entlastet bzw. vereinfacht. Zu diesen Vereinfachungen würde auch ein virtueller Shop zählen. Ich bin davon überzeugt, dass dem Erfolg eines solchen virtuellen Shops für Lebensmittel oder anderen Verbrauchsgütern auch in Deutschland nichts im Wege stehen würde. Vorausgesetzt, dass wir mit diesem Fortschritt mitgehen möchten.

Natalia Wilhelm

Studiengang: BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

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