Wahlkampf im Web 2.0

Das Internet ist längst ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens und ist nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Wie genau diese Tatsache zu seinem Vorteil genutzt werden kann, hat Barack Obama im US-Präsidentschaftswahlkampf 2012 eindrucksvoll bewiesen. Doch was macht das Web 2.0 aus und können die Stimmen der Wählerschaft hier wirklich nennenswert beeinflusst werden?

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Quellen: Facebook; Twitter; White House

Mit der Entwicklung des Web 2.0 eröffneten sich in den verschiedensten Bereichen neue Möglichkeiten. Einen dieser Bereiche stellt die Bühne des politischen Geschehens dar. Vor allem die neuen Kommunikationskanäle in Form von Social Media-Plattformen, wie Facebook und Twitter, erfreuen sich großer Beliebtheit und können als Zweigstelle zwischen Jung und Alt dienen. Um die Netzwerke erfolgreich als Wahlkampfinstrument einsetzen zu können, sollte allerdings einiges beachtet werden.

Ein Blick hinter die Kulissen der sozialen Netzwerke ist der erste Schritt in Richtung Erfolg. Um die Wähler für sich zu gewinnen, muss die Funktionsweise der Plattformen genauer betrachtet werden. Damit Twitter und Co nicht langweilig werden, müssen sie ständig mit neuen Informationen gefüttert werden – Statusmeldungen, Bilder, Links – alles Dinge, die für den heutigen Internetnutzer zum Alltag gehören. Social Media Plattformen bieten viele Funktionen, aber die wohl Wichtigste ist das Teilen von Inhalten mit der ganzen Welt. Baut man sich hier ein Netzwerk mit zahlreichen Followern und Fans auf, wird jede Nachricht, die geposted wird, sofort millionenfach geliked, kommentiert, retweeted und geteilt. Damit erlangt eine einzelne Mitteilung an seine Anhänger einen Wirkungsbereich, der weit über den Personenkreis seiner Fans hinausgeht, da jetzt auch deren Freunde und Follower den Post angezeigt bekommen.

In der Regel wächst die Reichweite eines Protagonisten also mit der Anzahl seiner Anhänger. Nicht nur die Reichweite ist ein entscheidender Faktor in Bezug auf den Umgang mit sozialen Netzwerken, auch die Qualität der Posts sollte nicht zu kurz kommen. Die Möglichkeit alles mit seinen Anhängern teilen zu können, kann auch schnell ins Negative übergehen. Mit einem Klick wird sein Gedankengut Millionen von Usern zur Verfügung gestellt und wie allgemein bekannt ist, können die sich im Internet befindenden Äußerungen nur noch sehr schwer revidiert werden. Die leichte Zugänglichkeit ruft nicht nur Anhänger, sondern auch Kritiker auf den Plan, welche fleißig lesen und kommentieren, wodurch dann hitzige Diskussionen entstehen. Eben diese Diskussionen sind ein weiterer Vorteil der Netzwerke, denn hier entstehen neue Möglichkeiten sich immer und überall über die Kandidaten auszutauschen. Schon während einer laufenden TV-Debatte wird live von der Couch aus mitdiskutiert. Konnten die anderen User dann noch nicht vom eigenen Kandidaten überzeugt werden, reichen ein paar Klicks, um Freunde und Bekannte über ihre Pinnwand darüber zu benachrichtigen, für wen diese ihre Stimme abgeben sollten. Eine Studie belegt zum Beispiel, dass 30 Prozent der US-amerikanischen Wähler während der Präsidentschaftswahlen 2012 andere von ihrem Kandidaten via Facebook oder Twitter überzeugen wollten. Auch spezielle Zielgruppen, wie zum Beispiel Jungwähler, werden hier erreicht, selbst wenn sich dieses Publikum nicht sonderlich für Politik interessiert.

Wir sehen also, dass Politiker speziell im Wahlkampf viele Wähler über soziale Netzwerke erreichen können und sich die Wähler zugleich leicht und bequem über ihre Kandidaten austauschen können. Der Kandidat selbst kann sich hier präsentieren und seine Bindung zu seinen Wählern stärken. Weitere Web 2.0-Instrumente wie beispielsweise Youtube können unterstützend eingesetzt werden und damit zusätzlich für Aufmerksamkeit und Informationsfluss sorgen. Jedoch ist auch hierbei wichtig, das richtige Maß zu finden. Überall angemeldet zu sein, sich aber nur sporadisch um seine Internetpräsenz zu kümmern, kann genau das Gegenteil von dem bewirken, was eigentlich erreicht werden soll: Wähler zu gewinnen.

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Quellen: Facebook; Twitter

In Deutschland hat sich in Bezug auf Web 2.0 seit der letzten Bundestagswahl 2009 nur wenig getan. Eine Studie der Universität Hohenheim hat gezeigt, dass die deutschen Parteien nur wenig Wert auf die eigene Internetpräsenz gelegt haben. Nun steht nach vier Jahren ein neuer Wahlkampf an. Die Internetauftritte der Parteien haben sich gewandelt, die Denkweise der Politiker aber leider nicht. Zwar besitzen die zwei Hauptanwärter auf das Bundeskanzleramt Angela Merkel und Peer Steinbrück zumindest einen Facebook-Account, rege Aktivität im Netz sieht allerdings anders aus. Herr Steinbrück ging noch einen Schritt weiter und legte mit dem Erstellen eines Twitter-Accounts den Grundstein für das sogenannte microblogging. Er erstickte allerdings postwendend die Hoffnung schon im Keim, indem er verlauten ließ: „Hier twittert das Team von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück – und ab und zu er selbst.“ Mit diesem gekonnt formulierten Zusatz stellte er sofort klar, dass er eigentlich kein ernstzunehmendes Interesse an diesem Medium hat und nur dabei ist, da es der Zeitgeist so vorgibt. Vielleicht wäre hier die Variante von Angela Merkel angebrachter gewesen: sie ließ schon Anfang des Jahres verlauten, dass sie nicht vor hat, auf der Internetplattform Twitter aktiv zu werden. Was für Potential, insbesondere bei der jungen Wählerschaft, verloren geht, kann jetzt schon erahnt werden. Ob die Bundestagswahl 2013 in Deutschland mit mehr Aktivität im Web 2.0 anders verlaufen würde, kann wohl niemand voraussagen. Dass eine weitere Chance, sich mit dem immer wichtiger werdenden Medium anzufreunden und aktiv zu werden, vertan wird, ist allerdings gewiss.

Niklas Weichsler

Studiengang: BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

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