Virusinfektion, Diagnose: Rote Paprika

Virales Marketing am Beispiel des Elektronik- Onlineshops redcoon.de

„Virales Marketing heißt das große Zauberwort“. Das findet zumindest der Großmoff Wilhuff Tarkin in der Starwars- Parodie „Virales Marketing im Todesstern Stuttgart“. Im Todesstern werden mit diesem Marketinginstrument brandneue Wege und ein vollkommen neues Feld beschritten. Auch andere Unternehmen profitieren von dieser Art des Marketing. Ein Beispiel dafür ist der Elektronik- Onlinehändler redcoon.de.

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Die Bedeutung des Begriffes „Virales Marketing“ hat seinen Ursprung in der Medizin. Wie ein Virus soll sich die Marketingbotschaft beim Kampagnenstart von Mensch zu Mensch übertragen und exponentiell ausbreiten. Natürlich in möglichst geringer Zeit. Ziel ist es, eine breite Masse an potentiellen Kunden zu erreichen,  sie von der Marke oder dem Produkt zu überzeugen um demzufolge die Markenbekanntheit zu erhöhen. Die Konsumenten sollen sich mit dem Unternehmen oder dem Produkt auseinandersetzen und dabei noch möglichst gut unterhalten werden.
Ein auffallendes Merkmal des Viralen Marketing ist, dass dieses Ziel häufig durch ungewöhnliche oder hintergründige Nachrichten erreicht wird. Das ursprüngliche Werbegut tritt hier oftmals in den Hintergrund. So auch im Beispiel: Die 2003 gegründete redcoon GmbH mit Sitz in Aschaffenburg,  wirbt seit November 2012 mit einer Marketing- Kampagne, die als Werbung  auf privaten Sendern im Fernsehen, auf Media- Kanälen und Special- Interest- Portalen zu sehen ist.  Inhaltlich bezieht sich diese Werbung stark auf den extra dafür konzipierten Slogan „So billig gab‘s noch nie!“. Vier schlanke, vollbusige junge Damen, leben in den Spots ein Luxusleben in einer Villa, in der sich alles um „billig“, „megabillig“ und „superbillig“ dreht. Mit diesen Betitelungen wird auf die günstigen Preise des Einzelhändlers angespielt.

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Kritik stärkt
Die Werbespots wurden nach den Veröffentlichungen stark kritisiert und es wurden Wort wörtlich ‚heiße‘ Diskussionen entfacht. Frauenrechtlerinnen gegen Micaela Schäfer, oder Berichte in Boulevardmagazinen wie taff heizten diese Gefechte an. Somit stand schon früh fest: die von den redcoon-Gründern vorgegebenen Ziele, die Werbespots einem breiten Publikum zu präsentieren und dieses darüber sprechen lassen,  wurden definitiv erreicht. Der für die Kampagne gewählte Medien- Mix unterstützte die Zielerreichung ungemein: 2000 TV Spots auf PRO7, RTL, VOX, RTL2 und N-TV,  Werbemittel und Hompage- Events auf: bild.de, youtube, GMX, CHIP online oder Spiegel online und die Veröffentlichung auf Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter, oder Youtube machten die Videos in kürzester Zeit bekannt. Hierbei spielten auch die ausgewählten Testimonials, wie Erotikstar und DJane Micaela Schäfer und Model Gina-Lisa Lohfing und youtube-Star Julia Fljat eine Rolle. Seit kurzem auch an Bord: Fernsehkoch Alfons Schubeck, der mit dem Claim „Billig trifft auf Qualität“ auf die hohe Qualität der Haushaltsgeräte aufmerksam machen soll.

Ein Für und Gegen
Die wichtigsten positiven Aspekte, die bei einer viralen Kampagne erreicht werden können sind, dass durch das Internet eine globale Reichweite der Spots gewährleistet wird. Außerdem verbreiten die User oder auch die Kritiker beim Reden über die Kampagne die Marketingbotschaft kostenlos und folglich kann auch der Bekanntheitswert der Marke gesteigert werden. Der Händler bleibt im Gespräch und die Wahrscheinlichkeit der Kundenneugewinnung steigt. 
Auf der anderen Seite gibt es auch negativen Aspekte, die eine solche virale Kampagne bewirken kann. Die Grenze zur unterschwelligen Werbung ist für viele User nicht erkennbar. Im Beispiel wird dies besonders durch den Einsatz der Testimonials deutlich, die in den Videos ihrem Luder- Image wie so oft gerecht werden. Folglich kann die Marke, bzw. das Unternehmen durch diese aufreizenden Damen stark in den Hintergrund gedrängt werden. So sprechen viele über die Spots, aber kaum einer weiß, dass sich dahinter ein Elektronik- Fachhändler verbirgt. Der Kunde empfiehlt zwar das Video weiter, aber nicht unbedingt das Unternehmen. Redcoon.de hat diesem negativen Punkt vorgebeugt und an jedes Video einen kleinen Abspann mit aktuellen Angeboten angehängt. Fraglich ist allerdings, wie viele User sich die Videos bis zum Schluss anschauen. Das wohl stärkste Argument, welches Unternehmen von dieser Art des Marketings abschreckt, ist, dass die Botschaft falsch verstanden werden kann und das Unternehmen zu Schadensbegrenzungsmitteln greifen muss. Ein beispielhafter Konter-Plan für ein solches Szenario lieferte redcoon.de, als die Videos der freizügigen Damen bei youtube mit einer Altersbeschränkung versehen wurden. Sofort folgte ein von redcoon.de selbst zensiertes Video, welches mit viel Witz die Kritiker auf die Schippe nimmt.

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Nicht zu vergessen
Weitere wichtige Merkmale des Viralen Marketings sind, dass das Kampagnengut unterhaltsam, überraschend, einzigartig und mit einer kreativen Idee zu gestalten ist. All diese Punkte wurden bei den Viralen Videos von redcoon.de erfüllt. Dies fand auch das Fachportal Horizont und kürte die Werbekampagne im Dezember zur „Kreation des Monats“.
In der Vergangenheit gab es wohl kaum ein anderer Elektronik- Onlinehändler, der auf so humorvolle und selbstironische Art und Weise seine Produkte „billig“ anpreisen ließ. Natürlich stellt sich hier die Frage, ob redcoon.de wirklich hält, was es mit seinem prolligen Slogan und seinen Werbesport verspricht. Bei einem kleineren, von mir durchgeführten Preisvergleich mit sechs weiteren Elektronik- Onlineshops hat redcoon.de sehr gut abgeschnitten. Demnach ist das Gesamtpaket meiner Meinung nach passend. Die Erwartungen der Kunden, Produkte zu günstigen Preisen zu erhalten, werden erfüllt!

Zwar kann man die redcoon- Kampagne nicht als einen Hype bezeichnen, nichts desto trotz hat sie ihr Ziel, den Onlineshop bekannt zu machen, erreicht.
Wie es mit den Ladys in der redcoon- Villa weitergeht, bleibt abzuwarten. 
 
Nadine Strobel
Studiengang Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden Württemberg, Campus Ravensburg

 

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