Die Erfolgsgeschichte Ryanair: Michael O’Leary, Meister der Provokation

Mit der Übernahme der Geschäftsführung 1993 durch Michael O’Leary wurden sämtliche bisherige Unternehmensstrategien von Ryanair umgeworfen und ein „Billigflug-Konzept“ eingeführt. Ergebnis: Mit ca. 76 Millionen transportierten Passagieren pro Jahr ist Ryanair heute Europas größte Fluggesellschaft. Michael O’Learys provokantes und aggressives Marketingkonzept war hier mit Sicherheit auch ein Initialzünder für diese Erfolgsgeschichte.

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Bild: Michael O’Leary – Quelle: Ryanair

Betrachtet man das Marketingkonzept von Ryanair aus rein finanzieller Sicht, versucht das Unternehmen so wenig Geld wie möglich für Werbemaßnahmen auszugeben und hält sich selbst hier an das generelle Sparkonzept. Auch eine externe Werbeagentur übernimmt nicht diese Aufgabe; vielmehr tritt die Person O’Leary oftmals höchstpersönlich auf und bringt sein Unternehmen immer wieder in die Schlagzeilen vieler Medien. Ein als Gaukler verkleideter Ryanair-Chef taucht hier mal auf einer Pressekonferenz auf oder heizt die Gerüchteküche durch ausgeklügelte PR-Gags an. Unvergessen bleiben öffentlich gemachte Ideen, wie die Einführung von Stehplätzen in Flugzeugen, die Abschaffung von Co-Piloten oder die Erhebung von Gebühren für übergewichtige Personen o.a. für die Benutzung der Flugzeugtoiletten. Aber auch beim Umgang mit Wettbewerbern hält sich O’Leary nicht zurück. So mietete er beispielsweise einen Panzer um vor dem Firmensitz von Easyjet das Volk von angeblich zu hohen Preisen zu befreien oder lässt seine Flugzeugflotte gerne mal mit Aufschriften wie „Good Bye Latehansa“ versehen. Somit sorgt er immer wieder dafür, dass er und sein Unternehmen im Mittelpunkt vieler Medien stehen und der Bekanntheitsgrad der Marke Ryanair immer weiter steigt.

Aber auch bei der Nutzung herkömmlicher Marketinginstrumente will sich Ryanair von anderen unterscheiden und bewusst auffallen. In der WDR-Reportage „Die teuren Tricks der Billigflieger“ vom 19.11.2012 bezeichnete Jochen Schlaier (Geschäftsführer Internetagentur Denkwerk) in einem Interview meiner Meinung nach treffend den Auftritt der Ryanair-Homepage als „sehr gut und sehr überlegt schlecht gemacht“. Durch Lockangebote soll hier das Kundeninteresse gewonnen werden und erst in den weiteren Schritten wird danach geschaut, wie man auf seine Kosten kommt. Außerdem platziert Ryanair auf der Startseite Ihrer Homepage (oder auch in meist regionalen Anzeigen) oftmals Werbeplakate, die ein versteckt-provokantes politisches Statement beinhalten sollen, um auch hier für Zündstoff in den Medien zu sorgen. Selbst vor dem französischen Staatsoberhaupt Nicolas Sarkozy oder dem italienischen Reformminister Umberto Bossi macht O’Leary keinen Halt.

Letztlich bedient sich das Unternehmen jedoch auch an Image-Kampagnen, wie z.B. den Verkauf von PinUp-Kalendern oder Rubbellosen, dessen Erlöse für karitative Zwecke ausgeben werden, um zumindest einigermaßen am bereits „angeknacksten“ Image (was wohl fast schon untertrieben formuliert ist) zu arbeiten.

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Quelle: W&V

Michael O’Leary schafft es durch die Nutzung von ungewöhnlich provokanten und aggressiven Marketingmethoden, an welche sich andere Unternehmen niemals trauen würden, dass Ryanair das Gesprächsthema ist und in naher Zukunft auch bleiben wird. Effektives Branding in einer Art des Guerilla-Marketings haben neben seinem Konzept „Fliegen als Non-Lifestyle“ die Massen erreicht, was sich auch in den starken Umsatz- und Gewinnsteigerungen (25% Gewinnsteigerung im Bilanzjahr 2011/2012) wiederspiegelt. Vorwürfe gegen Ryanair die z.B. versteckte Zusatzgebühren kritisieren, schlechte Arbeitsbedingungen oder Sicherheitsbedingungen am Rande der Legalität, dürfen nach moralischen und ethischen Aspekten mit Sicherheit nicht in Vergessenheit geraten. Aus rein erfolgsbezogener Sicht muss man jedoch neidlos anerkennen, dass Michael O’Leary mit seinen Ideen und Umsetzungen in kürzester Zeit ein Unternehmen geformt hat, welches selbst in Zeiten von teuren Rohstoffen hohe Gewinne erwirtschaften konnte und somit der Konkurrenz davoneilt.

Dennis Denzel

Studiengang Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden Württemberg, Campus Ravensburg

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