„Wir sehen unsere Social-Media-Aktivitäten vor allem als weiteren Service für die Zuschauer“

Im Gespräch mit Andreas Steinbach von Constantin Entertainment

Die Produktionsfirma Constantin Entertainment hat sich auf dem deutschen Unterhaltungsmarkt längst etabliert und produziert eine Vielzahl an TV-Formaten in den Genres Gerichtshows, Comedy, Reality und Crime Doku Soaps. Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung werden für ein so großes Unternehmen auch die Social Media Auftritte von immer größerer Bedeutung. Antonia Schlosser sprach mit Andreas Steinbach, Jurist bei Constantin Entertainment und mitverantwortlich für die Social Media Aktivitäten des Unternehmens über Erwartungen, Ziele und Risiken.

Antonia Schlosser: Auf welchen Plattformen bzw. Internetseiten präsentiert Constantin Entertainment seine Formate?

 Andreas Steinbach: Neben den sendereigenen Internetseiten sind wir derzeit mit unseren Formaten wie beispielsweise „K11 – Kommissare im Einsatz“ und „Richter Alexander Hold“ auf Facebook vertreten.

Antonia Schlosser: Wieso fiel die Wahl gerade auf Facebook und nicht auf eine andere Social Media Plattform?

Andreas Steinbach: Entscheidend war sicherlich die Reichweite. Mit 25 Millionen aktiven Nutzern hat sich Facebook auf dem deutschen Markt zu einem Quasi-Monopolisten entwickelt und konkurrierende Plattformen wie StudiVZ nahezu verdrängt bzw. GooglePlus eine erfolgreiche Marktetablierung verwehrt. Ebenso entspricht die Möglichkeit umfangreicheren Content zu platzieren eher unserem Anforderungsprofil als beispielsweise Twitter.

Antonia Schlosser: Welche Erwartungen setzt Constantin Entertainment in Social Media? Welche Ziele werden verfolgt?

Andreas Steinbach: Wir sehen unsere Social-Media-Aktivitäten vor allem als weiteren Service für die Zuschauer. So bieten wir u.a. Programmvorschauen, Hinweise auf andere Formate oder Veranstaltungen bei denen unsere Darsteller und Schauspieler zu Gast sind. Durch die mittlerweile weit fortgeschrittene Verbreitung der Smartphones können wir diese Informationen dem User jederzeit und überall zur Verfügung stellen. Dabei wollen wir Facebook nicht als unabhängiges Paralleluniversum zu den bereits etablierten Internetseiten der Sender verstanden wissen, sondern vielmehr als Kommunikationskanal zwischen diesen und dem Zuschauer. Wir bieten den Zuschauern die Möglichkeit sich mit uns als auch untereinander über die Formate auszutauschen, wodurch wir eine stärkere Format- bzw. Produktbindung generieren wollen.

Antonia Schlosser: Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Nachteile und Risiken von Social Media?

Andreas Steinbach: Zum einen gibt es die facebookimmanenten Nachteile. Hierzu zählen z.B. die für uns einsehbaren Userstatistiken der Fanpages. Zwar erhalten wir eine Aufschlüsselung nach Alter, Geschlecht und regionaler Verteilung, jedoch lässt sich diese nur bedingt für die Weiterentwicklung unserer Formate heranziehen. So zählt unser Format „Richter Alexander Hold“ in Hinblick auf die Gesamtzuschauerquote zu den erfolgreichsten TV-Formaten überhaupt. Dies liegt auch daran, dass dieses Format in der Alterszielgruppe 49+ besonders stark angenommen wird. Jedoch ist gerade diese Altersgruppe bei Facebook unterrepräsentiert, so dass die Statistiken nur ein Zerrbild der tatsächlichen Zuschauerverteilung bieten können. Darüber hinaus gibt es die allgemeinen Risiken, die Social Media Aktivitäten mit sich bringen. So hat beispielweise ein Designwettbewerb eines Geschirrspülmittelherstellers gezeigt, dass man tendenziell davon Abstand nehmen sollte, bindende Entscheidungen über künftige Produkt- bzw. in unserem Fall Formatgestaltungen in die Hände der User zu legen. Ansonsten kann durch die Macht der Massen aus einer ursprünglich guten Marketingidee schnell ein Marketing- Gau werden.

Antonia Schlosser: Wer verwaltet die einzelnen Fanpages? Und wie wird mit Kritik umgegangen?

Andreas Steinbach: Die Verwaltung der Fanpages obliegt den jeweiligen Redaktionen der Formate. Nur so ist gewährleistet, dass auf spezifische Anfragen qualifiziert geantwortet werden kann. Da wir aus ihr lernen können, ist konstruktive Kritik ausdrücklich erwünscht. Kommentare mit beleidigenden oder diskriminierenden Inhalten uns oder anderen Usern gegenüber werden aber selbstverständlicher Weise moderiert.

Antonia Schlosser: Facebook gerät mit seinen Datenschutz- und Nutzungsbedingungen immer wieder in die Kritik. Teilen Sie diese?

Andreas Steinbach: Diese Kritik ist mit Sicherheit nicht unberechtigt. Facebook ist immer geneigt nationale und europäische Bestimmungen z.B. zum Datenschutzrecht auszureizen bzw. zu überschreiten. Es bleibt zu hoffen, dass die für Facebook Europa zuständigen, irischen Behörden künftig stärker durchgreifen werden. So verzichten wir beispielweise darauf, werthaltigen Content direkt zu Facebook hochzuladen, sondern beschränken uns darauf, diesen einzubetten bzw. verlinken, denn all zu oft hat Facebook bereits versucht sich umfangreiche Nutzungsrechte am Content der User einzuräumen.  

Antonia Schlosser: Wie schätzen Sie die Zukunft von Social Media für Unternehmen ein?

Andreas Steinbach: Social Media hat eine neue Art der interaktiven (Unternehmens-) Kommunikation geschaffen, die sich bereits nachhaltig etabliert hat und Bestandteil unseres täglichen sozial-medialen Lebens geworden ist. Daher werden Unternehmen künftig kaum darauf verzichten können, sich im Bereich Social Media zu engagieren und weiterzuentwickeln. Es wird spannend bleiben die Weiterentwicklungen zu beobachten. So wird beispielsweise Facebook nach seinem Börsengang gezwungen sein, den hoch taxierten Unternehmenswert durch massive Gewinnsteigerungen zu rechtfertigen. Ob dies eine weitergehende Verwertung des Usercontents oder vielleicht sogar eine Entgeltlichkeit für Unternehmen bedeutet, bleibt abzuwarten.

Antonia Schlosser: Herr Steinbach, vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch.

Facebookauftritte_constantin

(Facebookauftritt zweier Formate der Constantin Entertainment GmbH; Quelle: facebook)

Antonia Schlosser
(Studiengang Kommunikationswissenschaft, Otto- Friedrich- Universität Bamberg)

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