Watchblogs – direkte Kritik aus der Bürgermitte

Neben Corporate Blogs und privaten Blogs hat sich in den letzten Jahren  auch noch eine weitere Gattung etabliert: Die sogenannten Watchblogs (=Beobachtungsblogs). Die Blogger der Watchblogs machen sich zur Aufgabe Politiker, Medien oder Unternehmen zu beobachten, zu kritisieren und die Informationen daraufhin in ihrem Blog zu veröffentlichen. Manche bezeichnen die Watchblogger als „Kontrolleure der Kontrolleure“ – denn wer kontrolliert zum Beispiel die Medien? Der Presserat – der allerdings oftmals als „zahnloser Tiger“ bezeichnet wird. Hier springen die Blogs in die Bresche und versuchen ihren Teil zur Wahrung der Transparenz beizutragen. Denn dies ist die Aufgabe der Watchblogger – eine Transparenz zu erschaffen, die so authentisch noch nie da gewesen ist. Vor allem in den USA ist diese Gattung der Blogs stark ausgeprägt – hatten die Blogger hier auch schon einigen Erfolg und haben für mehr Transparenz sorgen können (siehe der Fall „Rathergate“).

Aber auch in Deutschland gibt es gute Beispiele für Watchblogs:
Der BILDblog ist der wohl bekannteste Medienwatchblog Deutschlands. Anders als der Name vermuten lässt, beobachtet der Blog längst nicht mehr nur die BILD-Zeitung, sondern auch viele verschiedene andere Medien Deutschlands. An diesem Beispiel kann man gut die Wirkung von Watchblogs erkennen – denn die BILD-Zeitung sah sich gezwungen auf den Blog zu reagieren. Teilweise durch Korrekturen im Online-Auftritt von vorher durch den Blog angeprangerten Artikeln oder Klagen gegen den BILDblog.

Ab

Neben den Medienwatchblogs gibt es auch Unternehmenswatchblogs, zum Beipsiel www.wir-sind-einzelfall.de. Der Blogger Matthias Bauer selbst hatte die Idee zum Blog, um von O2 eine Reaktion auf die ständigen Netzprobleme zu erzwingen. Er sammelte monatelang Daten von anderen Betroffenen und verschickte diese gebündelt in einer Klage dann an O2.  Er schreibt dazu auf seinem Blog:“ Ziel der Aktion ist mindestens, O2 dazu bewegen, die Probleme einzugestehen und einen konkreten Plan zur Beseitigung der Probleme in naher Zukunft vorzulegen, statt andauernd abzuwiegeln.“ Auf die Aktion meldeten sich bisher ungefähr 14000 Betroffene. Nachdem der Blog auch große mediale Aufmerksamkeit errungen hatte, musste O2 reagieren und versucht seitdem diese Probleme zu lösen. (Näheres hier).

O2

Doch nicht nur Unternehmen und Medien werden von Bloggern beobachtet, auch Politiker müssen sich diesen Beobachtern stellen. Es gibt zum Beispiel Watchblogs, die die NPD und ihre politische Umgebung beobachten (http://www.publikative.org/). Oder Blogs, die ganz allgemein die Politik beobachten, so wie den Blog von abgeordnetenwatch – dieser Blog beantwortet allgemeine Fragen zum Thema Politik und versucht zum Beispiel unangemessene Parteispenden aufzudecken. „Der Blog versteht sich als ergänzende Diskussions-
plattform zum Angebot von abgeordnetenwatch.de. Er berichtet über das Projekt und nimmt Stellung zu Transparenz, Bürgernähe und Teilhabe in der Politik.“ Das weitere Angebot www.abgeordnetenwatch.de fördert die Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Politikern, denn hier können die Bürger online Fragen stellen und die Politiker beantworten diese. Auch dies ein hervorragender Beitrag zur Transparenzsicherung.

Abge

An diesen Beispielen kann man erkennen, dass es viele verschiedene Arten gibt einen Watchblog zu betreiben. Politiker, Unternehmen und Medien sollten diesen Trend auf keinen Fall unterschätzen, sondern die Gefahren und Chancen des neuen Trends ernst nehmen. Eine der  Gefahren für die Betroffenen besteht darin, dass viele Geschehnisse schneller und mit einer größeren Wirkung aufgedeckt werden können, die früher in der Form nicht veröffentlicht worden wären bzw. nicht die Öffentlichkeit erreicht hätten. Außerdem bloggen meist keine Journalisten, sondern ganz normale Menschen – das bedeutet, dass sie niemandem Rechenschaft schuldig sind, dieses Handwerk nicht „erlernt“ haben und beispielsweise manches übertrieben darstellen oder sich im Ton vergreifen können. Hier darf man als Unternehmen/Politiker/Medium sich nicht beeindrucken lassen und nicht unhöflich werden – denn die Blogger haben meist eine große Masse hinter sich, die sie im Ernstfall mobilisieren können. Und wer möchte schon einen Shitstorm herauf beschwören? Die Chance ist, dass die Kritik, die man bei solchen Blogs lesen kann authentisch ist und mitten aus der Bürgermitte kommt (dies ist vor allem für Politiker wichtig). Deshalb sollte man die Blogger ernst nehmen, und auf ihre Wünsche reagieren. Werden die Forderungen der Blogger dann erst genommen, halten die Blogger sich auch nicht mit Lob zurück – und eine bessere PR kann man doch gar nicht bekommen oder?

Mareike Rath
Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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