Gewinnt man Wahlen mit Facebook?

Cduundspd

Die Erweiterung des Wahlkampfes auf das „Schlachtfeld“ Internet ist mittlerweile kein Novum mehr. Jede Partei, die ambitioniert nach der Regierungsmacht strebt, ergänzt ihr traditionelles Wahlkampfrepertoir mit eCampaigning-Strategien. Das Web 2.0 mausert sich dabei Schritt für Schritt zum Drehkreuz von Information und politischer Partizipation. Es wird zur Dialogplattform zwischen Wählern und politischer Klasse. Aus Sicht der politischen Akteure lassen sich vorher ungeahnte Möglichkeiten des Kampagnenmanagements erhoffen. Betrachtet man die Obama-Kampagne 2009, so lässt sich ferner vermuten, dass die Zeiten des traditionellen Wahlkampfes auch in Deutschland bald passe sein werden und der Fokus der strategischen Kommunikation in Zukunft hauptsächlich auf dem Internet liegt. Nun stellt sich die Frage, ob der deutsche Wahlkampf -wie in den USA- mit dem Medium Internet schon heute Wahlen gewonnen werden können. 

Der Online-Wahlkampf ist noch nicht wahlentscheidend!

Laut einer im Jahr 2009 durchgeführten Studie der Universität Hohenheim informiert sich nur ca. ein Drittel der Bevölkerung mit Hilfe des Netzes über den Wahlkampf. Hauptsächlich werden immer noch die traditionellen Medien (Fernsehen und Zeitung) für die Informationsversorgung genutzt. Das liegt jedoch nicht an den geringen Netzaktivitäten der Bürger -fast drei Viertel der Befragten nutzen das Netz. Auch von den Internet-Usern beziehen nur 13 % ihre Informationen über den Wahlkampf hauptsächlich online. Die 30 % der User, die das Internet wenigstens für Zusatzinformationen über den Wahlkampf nutzen, befassen sich tendenziell weniger mit den Social Media und Blogs, sondern eher mit den Homepages der großen Tageszeitungen, Zeitschriften und TV-Sender. Erst dann und am unteren Ende der Rangfolge werden die Social Media des Web 2.0 für diese Zwecke genutzt. Es lässt sich also festhalten, dass die politische Onlinekommunikation den erhofften hohen Grad an Bedeutsamkeit für den gesamten Wahlkampf bisher nicht erreicht hat. Wer das Internet gar nicht erst nutz, kann natürlich auch nicht durch das Internet in seiner Wahlentscheidung beeinflusst bzw. bestärkt werden.

Online-Wahlkampf nur für politisch Interessierte?

Möglicherweise liegt der Sinn der strategischen Onlinekommunikation nicht in der Überschüttung der Massen mit „Internetpropaganda“, sondern in der geschickten Informations- und Argumentationsversorgung von sogenannten Meinungsführern. Andreas Jungherr, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Kommunikation der Uni Bamberg forscht, betont in einem Interview, dass in erster Linie politisch interessierte Menschen das Internet nutzen um ihr Wissen über den Wahlkampf, die jeweiligen Strategien und die Positionen der Parteien geziehlt zu vermehren. Demnach sind die Webseiten der Parteien, Facebook-Profile und You Tube Kanäle eine effektive Möglichkeit politische Unterstützer zu erreichen. Daraus kann gefolgert werden, dass der Effekt der strategischen Onlinekommunikation eher in der Informationsversorgung der politisch interessierten Anhängerschaft liegt. Diese soll die neu erworbenen Informationen dann einordnen und mit Hilfe von interpersonaler Kommunikation unter das politisch weniger interessierte Volk bringen. Das geschieht dann sowohl online wie offline. So können sonst schwer zu durchbrechende Barrieren umgangen werden. Dieser Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation wird in der Medienwirkungsforschung seit langem diskutiert und stellt sicherlich eine interessante Erklärung der Funktion der politischen Onlinekommunikation dar. Aber auch hier lässt sich nur eine Unterstützerfunktion des Online-Wahlkampfes in Bezug auf den traditionellen Wahlkampf -der durch seine Allgegenwärtigkeit durch z.B. Plakate eine größere Chance hat alle Wählergruppen direkt an zusprechen- erkennen.

Eine Rosige Zukunft für den Online-Wahlkampf?

Trotz der eigeschränkten Reichweite können -laut der Hohenheimer Studie- Social Media wie Facebook mit Hilfe der starken Vernetzung der User politisch weniger Interessierte Menschen durch politisch aktive Onlinefreunde oder Meinungsführer mit Wahlkampfthemen in Kontakt gebracht werden. So könnte zumindest teilweise eine Sensibilisierung für das Politische an sich und den Wahlkampf im speziellen erzielt werden. Darüber hinaus und entgegen der aktuellen Situation ist für die Zukunft ein Bedeutungszuwachs des Internet-Wahlkampfes zu erwarten. Betrachtet man nämlich die Jüngste Kohorte der Hohenheimer Studie (18- bis 29jährigen User) so liegt der Anteil derjenigen, die ihre Wahlkampfinformationen hauptsächlich aus dem Netz beziehen bei 29 Prozent. Für alle anderen Altersgruppen hat das Internet für diese Zwecke die geringste Bedeutung.

Nein, heute gewinnt noch keine Partei eine Wahl ausschließlich mit Hilfe der Social Media und des Netzes. Aber sicher Morgen!

 

Darius Youssofi    

Studiengang: Politikwissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
     

     

Advertisements

Ein Gedanke zu “Gewinnt man Wahlen mit Facebook?

  1. Ich stimme dem zu, dass das Web 2.0, wie wir es aktuell vorfinden, auch poltikverdrossene Menschen zwangsläufig (Werbung/ Facebook-Newsfeed) in Kontakt mit politischen Kampagnen bringt. Leider ändern diese Medien, aus meiner Sicht, bisher nur wenig an dem vorhandenen politischen Desinteresse. Ich glaube auch, dass für den "Obama-Effekt" hierzulande andere Vorraussetzungen gegeben sein müssen. Man muss sich schließlich auch vor Augen halten, dass er den Wahlkampf – nicht nur – mit dem Web 2.0 gewonnen hat. Ich denke da bspw. an die vielen Idole der jungen Erwachsenen in den USA, die öffentlich für ihn geworben haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s