Vom First auf den Second Screen

Immer mehr Menschen nutzen zeitgleich zum TV auch mobile Endgeräte, seien es Tablet oder Smartphone. In den USA nutzen über 40 Prozent der Smartphone- und Tablet-Besitzer ihr mobiles Gerät mindestens einmal täglich parallel zum Fernsehen. In Deutschland sind es gut ein Viertel der Tablet-Nutzer und ein Fünftel der Smartphone-Nutzer, die dieses Verhalten zeigen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes Nielsen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Art, wie wir fern schauen, verändert. Immer mehr wird Fernsehen zum Nebenbei-Medium. Der Fernseher und das mobile Endgerät konkurrieren um die Aufmerksamkeit. Der „Second Screen“ hält Einzug in die Wohnzimmer. Für die Sender ist das eine Gefahr, aber auch eine Chance. Die Gefahr besteht darin, dass das sie den Kampf um die Aufmerksamkeit verlieren und der Zuschauer sich gänzlich vom Fernsehprogramm abwendet. Die Chance ist die, die Sendung auf den Second Screen zu verlängern.

Ein Beispiel hierfür ist die ZDF-Krimiserie Die letzte Spur. Hier kann der Zuschauer zum Beispiel selbst den Täter ermitteln und sehen, wo der Großteil der anderen Anwender den Täter ansiedelt. Der SWR ließ den Zuschauer nach einer Tatort-Folge ebenfalls selbst ermitteln. Ein weiterer Social-TV-Versuch erfolgte mit der Anwendung The Voice of Germany connect, in der die Twitter-Meldungen zum Hashtag #voice und Facebook-Updates der Sendung verfolgt und diskutiert werden konnten.

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Quelle: MOCCU

Hier kommt auch der Begriff Social TV ins Spiel, die Verschmelzung von Fernsehen und Social Media. Über soziale Netzwerke tauschen sich Zuschauer über Sendungen, die sie schauen, aus. Dies gilt es, besser zu nutzen. Die Anbieter von Social-TV-Apps haben das Potenzial dieser Entwicklung erkannt und bieten Plattformen, auf denen fern schauen zum Gemeinschaftserlebnis wird. Die Kommunikation findet also in einem virtuellen Wohnzimmer statt. Auch in Deutschland wächst der Markt solcher Anwendungen. Die größten Chancen, sich zu etablieren, hat in Deutschland wohl Couchfunk.

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Ob diese Apps die Couch jedoch letztendlich ins Internet verlagern können und eine echte Alternative für die Kommunikation auf der echten Couch bieten können, ist fraglich. Es gibt Leute, die ihre Meinung nicht der ganzen Webgemeinschaft- oder Community, sondern nur einem ausgewählten (Freundes-)Kreis preisgeben möchten. Die Möglichkeit zu bieten, private Unterhaltungen einzurichten, wäre überlegenswert.

Den unabhängigen Anbietern fehlt es jedoch bisher an Interaktivität. Sie sind bisher – bei aller Euphorie – nur Plattformen auf denen Meldungen und Meinungen zu Sendungen gebündelt und ausgetauscht werden können und auf denen jeder zeigen kann, was er schaut. Auch findet man bisher keine Zusatzinformationen zu Sendungen, etwa in welchen Filmen ein Nebendarsteller bereits mitgespielt hat oder wie der Soundtrack eines Films heißt, wie im amerikanischen Miso.

Es wird spannend sein, zu beobachten, ob sich die unabhängigen Social-TV-Anwendungen bei der Masse durchsetzen können und woran sich die Fernsehsender wagen.

Patrick Sporleder
Studiengang Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

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Ein Gedanke zu “Vom First auf den Second Screen

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