Gabriel, Steinbrück oder Steinmeier: Wer ist der Web 2.0–Kanzlerkandidat?

Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück oder Frank-Walter Steinmeier – die SPD hält sich bei der Frage nach der Kanzlerkandidatur zur Bundestagswahl 2013 weiterhin bedeckt. Spekuliert und analysiert wird vieles. Doch wer von den drei Kandidaten hat die größten Chancen bei der Social Media-Gemeinde?

Frank-Walter Steinmeier

Geht es um Facebook-Fans, liegt Frank-Walter Steinmeier mit mehr als 15000 „Gefällt mir“-Klicks vorne. Auch auf Google+ ist er vertreten (in knapp unter 13000 Kreisen) – als einziger der drei SPD-Spitzen. Beide Seiten aktuell zu halten, scheint aber zu viel Stress zu sein, seit Anfang April muss Google+ auf Neuigkeiten warten.

Steinmeier_google

Positiv dagegen ist die Facebook-Seite, hier ist fast täglich Neues zu lesen. Zwar wird betont, dass die Seite von MitarbeiterInnen redaktionell gepflegt wird, viele Beiträge kommen aber auch von Steinmeier selbst (Wer gerade schreibt, ist klar gekennzeichnet). Auf der eigenen Website ist ein Facebook-Newsfeed eingebunden, am Ende jeder Seite ist ein Kontaktformular zu sehen, über das das Abgeordnetenbüro erreicht werden kann.

Peer Steinbrück

Großer Web 2.0 – Konkurrent ist Peer Steinbrück nicht. Außer einer Facebook-Seite hat er kein Profil auf gängigen Social Web-Plattformen vorzuweisen. Und auch hier bleibt Steinbrück bei der Bewertung deutlich hinter Steinmeier. Zum Einen ist die Seite weniger regelmäßig gepflegt, zum Anderen nie vom Politiker selbst. Das macht sich auch an den „Gefällt mir“-Klicks bemerkbar: Mit etwas über 7000 Fans sind es nicht einmal halb so viele wie bei seinem Parteifreund. Trotzdem hat Steinbrück im Vergleich zu Gabriel und Steinmeier das prozentual größte Wachstum in den letzten sieben Tagen zu verzeichnen.
Mehr oder weniger selbstverständlich für jeden wichtigeren Abgeordneten ist mittlerweile die eigene Homepage, die auch Steinbrück besitzt. Dort ist eine E-Mail-Adresse leicht zu finden – dem Kontaktformular hingegen hätte eine bessere Positionierung sicher nicht geschadet.

Sigmar Gabriel

Gabriel hat das Twittern für sich entdeckt: Erst seit Mai diesen Jahres dabei, hat er bereits 733 Tweets abgegeben (Stand 26.5.2012). Schon am zweiten Tag folgten ihm über 1000 Anhänger. Auf Anfragen und Kritik reagiert der Abgeordnete schnell, 70 Tweets an einem Tag sind da schon möglich. Auch auf Flickr ist Gabriel vertreten, das einzige Album stammt aber aus dem Jahr 2008.

Gabriel_twitter

Die eigene Facebook-Seite wird größtenteils vom Abgeordneten selbst gepflegt. Darauf wurde auch die Bild aufmerksam und zitierte den Politiker von seiner Fanpage. Im Umgang mit dem sozialen Netzwerk besteht noch Verbesserungsbedarf, Gabriel ist aber bereit dazuzulernen und sucht die richtige Mischung aus politischem und persönlichem. Die Geburt seines Kindes wurde auf Facebook verkündet, Babyfotos dazu wird es aber nicht geben.
Probleme bereitet momentan der Server von www.sigmar-gabriel.de: Hier stößt der interessierte Surfer nur auf die Fehlermeldung „Service Temporarily Unavailable“.

Gabriel_server

Fazit

Wenn es um die Mobilisierung (politikinteressierter, vermutlich auch schon SPD-naher) Wähler geht, hat Sigmar Gabriel – vor allem auf Grund seiner regen Twitter-Aktivitäten – das größte Potential, muss sich bei der Zahl an Followern aber Frank-Walter Steinmeier geschlagen geben.

In einem Ranking von pluragraph.de, das vor allem die Zahl der Follower und Fanseiten berücksichtigt, belegt Steinmeier – für viele wohl überraschend – den Spitzenplatz der SPD. Wie lange er diesen Platz halten kann, ist jedoch fraglich: Mit einem Wachstum an Anhängern von circa 4% bei Gabriel gegenüber 0,3% bei Steinmeier kann es hier bald zu einer Wachablösung kommen. Der Auftritt beider Abgeordneten im Social Web wirkt professionell, vor kleineren Fehltritten können sich auch Digital Souveräne häufig nicht schützen.

Pluragraph_spd

Quelle: Pluragraph.de

Peer Steinbrück hält sich von sozialen Medien weitgehend fern. Glücklicherweise bestimmt nicht die Zahl der Onlineaktivitäten darüber, wer die SPD an die Regierungsspitze zurückbringen kann. Steinbrücks Abstinenz scheint seinem Ruf teilweise auch gar nicht hinderlich zu sein. So meint ein Kommentarverfassers, der sich zu einem Artikel über Peer Steinbrücks Fan-Flaute bei Facebook äußert – selbst also durchaus vertraut mit dem Internet: „Dass der Mann nicht jeden Quatsch mitmacht, der zufällig gerade in Mode ist, macht ihn mir nur symphatischer…“

Johannes Trepesch
Studiengang Bachelor Geschichte, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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