Die Macht der Netzgemeinde

Social_media_prisma

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Mit der Etablierung des Web 2.0 erhielt auch das sogenannte „Social Networking“ Einzug in den modernen Alltag. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter sind heutzutage kaum noch wegzudenken, ermöglichen und vereinfachen sie doch den Kontakt und den Austausch mit Freunden aus aller Welt, sowie die Pflege und die Akquise gesellschaftlicher Kontakte.

Bereits in den 1970ern sind erste Anfänge des Social Networking zu erkennen.
Die damals von der Punkszene initiierte Bewegung weg von der Objektkunst und hin zu einem Netzwerk von Beziehungen, in dem die Möglichkeit für jedermann geschaffen wird, kreative Güter zu erzeugen und zu verbreiten, gilt als Beginn des Social Networking, so wie wir es heute kennen.
War es damals noch eine stark verpönte Außenseitergesellschaft, die sich durch eine Vielzahl sozialer Kontakte eine Erweiterung ihres eigenen Horizontes versprach, hat sich bis heute die Nutzergemeinschaft der Social Networks stark verändert.

Vor allem junge und überdurchschnittlich gebildete Nutzer stellen heute die Netzgemeinde dar, eine Gemeinschaft, die das Internet aktiv mittels Blogs und Social Networks nutzt, um Ideen zu verbreiten und gemeinsame Aktionen zu planen.
Innerhalb dieser Netzgemeinde hat sich eine eigene Netzkultur herausgebildet, die eine bestimmte Netzsprache, ein sehr starkes Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Nutzern sowie gewisse Verhaltensregeln (Netiquette)  beinhaltet.
Die Sprache der Netzgemeinde wird generell als sehr rau und respektlos empfunden, was möglicherweise damit zusammenhängt, dass man im Internet durch Pseudonyme, die sich jeder Nutzer gibt, unerkannt bleiben kann und somit alle Äußerungen anonym stattfinden.
Durch diese Möglichkeit des Versteckens hat sich auch eine neue Form der öffentlichen Kritik herausgebildet, das sogenannte Shitstorming.
Dabei wird durch die Netzgemeinde eine Diskussionswelle ausgelöst, die oftmals auf Übertreibungen und Unterstellungen basiert, da diese weitaus mehr Aufmerksamkeit erregen und sich schneller verbreiten als Tatsachen.

Es lässt sich also erkennen, dass sich die einstige Punkbewegung mittlerweile zu einem nicht zu unterschätzenden Massenphänomen entwickelt hat. Der Einfluss der Netzgemeinde ist weitreichend, wie man am Beispiel des 17-jährigen Berufsschülers aus Emden belegen kann, der durch Vorwürfe der Netzgemeinde einer regelrechten Hetzjagd im Internet ausgesetzt war und womöglich die Mordunterstellungen, die ihm zulasten gelegt wurden, nie wieder los wird.

Durch die Schnelligkeit des Internets bilden sich außerdem neue Formen der Berichterstattung heraus, da die Mitglieder der Social Networks oftmals näher am Geschehen sind und sich ihre Beiträge mitunter rasend schnell verbreiten.
So kann es vorkommen, dass Augenzeugen einen Autounfall filmen und ihr Material nur wenige Minuten später in einem Sozialen Netzwerk veröffentlichen; noch bevor Nachrichtenagenturen überhaupt von dem Vorfall erfahren.

Diese neuen Begleiterscheinungen des Social Networking und der Netzkultur bringen natürlich offensichtliche Vorteile mit sich, wie die Möglichkeit zur weltweit freien Meinungsäußerung und die rasante Geschwindigkeit der Informationsverbreitung.
Man sollte sich allerdings auch Gedanken darüber machen, wie sich diese Netzkultur in einigen Jahren darstellt:
Werden journalistische Ethiken und Grundsätze in Zukunft durch die fehlende Kompetenz der Netzgemeinde untergraben, sodass immer  grausamere Bilder verbreitet werden und die Nachrichten mit Unterstellungen und Unwahrheiten gefüllt sind?
Entwickelt sich eine Netzkultur, die mit der Landeskultur nicht mehr vereinbar ist?

Solche Szenarien gilt es zu überdenken und gegebenenfalls schon jetzt nach möglichen Lösungen zu suchen, um nicht irgendwann der Netzgemeinde und ihrer Kultur zum Opfer zu fallen.

Hannah Reckhaus
Studiengang: Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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