Gruppenzwang Web 2.0

Kurz vor 20 Uhr in Deutschland: Hausmeister, Anwälte, Lehrer, ja ganze Familien versammeln sich vor dem heimischen Fernseher um die aktuelle Tagesschau zu sehen. Für die nächsten 15 Minuten bleibt alles stehen und liegen, schließlich möchte sich jeder über das aktuelle Weltgeschehen informieren. Ist dieses dargestellte Bild in der heutigen Medienlandschaft noch aktuell? Im Zeitalter neuer Kommunikationswege, in denen Mobilgeräte eine individuellere Personalisierung, Interaktivität und eine ständige Veränderung bieten, sinnvoll?
Heute reicht ein Smartphone oder Tablet und die neueste App, um sich ständig auf dem Laufenden zu halten. Wer sich früher noch nach den klassischen Massenmedien richten musste, kann nun alles auf seine individuellen Bedürfnisse zuschneiden und sie konsumieren wann und wo er will.
So ist es kein Problem mal schnell ein akutes Wehwehchen beim „Netdoktor“, die verpasste Lieblingsserie von gestern, das Wetter, minutengenaue Stauinformationen, das aktuelle Weltgeschehen oder Blitzermeldungen unterwegs durch das mobile Internet abzurufen. Wer Informationen braucht, holt sie sich, ganz bequem per Handy oder Tablet.

Die Zahl der gekauften Smartphones ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen (49% der Deutschen benutzen ihr Smartphone täglich um im Internet zu surfen oder verschiedene Apps zu benutzen). Und das spiegelt auch der Markt der mobilen Anwendungen – kurz Apps – wider. Dieser erreichte im Jahr 2011 einen neuen Rekordwert mit einem Plus von 112%.

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(Bild: Julia Kronbügel)

Doch was ist, wenn man kein Smartphone besitzt oder lieber auf konventionelle Art und Weise fernsieht und sich Tageszeitungen am Kiosk um die Ecke kauft? Muss jeder in der neuen Medienlandschaft mitziehen? Und wenn nicht, verpasst er dann etwas? Die Vorteile der Nutzung liegen klar auf der Hand: Flexibilität, Individualität, Aktualität, Einfachheit und eine ständige Verfügbarkeit. Aber muss dies für alle gelten? Wer sich den neuen Medien entzieht, scheint nicht auf dem neuesten Stand zu sein und ihm entstehen unter Umständen sogar Nachteile. Viele Tageszeitungen, sowie Fernseh- und Radiosender stellen ihre Online-Angebote teilweise oder sogar komplett kostenlos im Netz zur Verfügung. Wer den Blockbuster auf ProSieben verpasst hat, kann ihn sich am nächsten Tag kostenlos in der Mediathek streamen, es sei denn, ihm stehen die nötigen Mittel zur Verfügung. Wem diese nicht zur Verfügung stehen, sei es materiell oder auch geistig, wird sich den Film kostenpflichtig in der nächsten Videothek ausleihen.

 
Bekomme ich als Student/Studentin überhaupt noch die aktuellen Events mit, wenn ich nicht auf Facebook oder Twitter angemeldet bin? Das Web bietet mittlerweile Seiten, die es Freunden ermöglicht, während des Fernsehens, live darüber zu diskutieren.

Wo früher nach dem Wochenende noch auf den Pausenhöfen, der Arbeit oder in Cafeterias Gespräche über das Erlebte ausgetauscht wurden, erntet man heutzutage lediglich Kommentare der Kollegen über die hochgeladenen Bilder oder Statusmeldungen auf den sozialen Netzwerken. Jeder weiß sofort Bescheid, alle sind auf dem neuesten Stand. Wer nicht mitzieht bleibt auf der Strecke oder zumindest hintendran.

Spielt also die digitale Kluft im Jahr 2012 doch noch eine größere Rolle, wie viele vermuten?

 

Julia Kronbügel

Studiengang Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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