Social TV – Bestandsaufnahme und Ausblick

Die deutschen Fernsehsender tummeln sich in den sozialen Netzwerken. Es gibt wohl mittlerweile keinen national verbreiteten Sender, der nicht auf Facebook vertreten ist, kaum eine nur halbwegs populäre Sendung, bei denen Fans nicht auf „gefällt mir“ drücken können. Und auch bei Twitter kämpfen viele Sender und Sendungen um die meisten Follower, auch wenn hier zumindest die Präsenz der Sendungs-Accounts nicht so stark wie im Zuckerbergschen Netzwerk ist. Zu guter Letzt engagieren sich auch immer mehr Sender bei Google+. Man kann sagen, dass die deutschen TV-Sender in den sozialen Netzwerken angekommen sind. Manche, so scheint es, haben ihr Rezept für die erfolgreiche Social-Media-Präsenz gefunden.

Fans & Follower etc. bekommen zum Beispiel Programmhinweise, Support-Informationen bei Empfangsproblemen, Fotos aus Redaktionen oder andere interne Einblicke in die Sender und Sendungen. Im besten Fall profitieren auch die Sender, indem sie direkt und in Echtzeit mit dem Zuschauer in Kontakt treten, Feedback aufnehmen und den einen oder anderen Punkt umsetzen können. Die Kommunikationskanäle der sozialen Medien werden also von den Sendern mehr oder weniger sinnvoll genutzt. Der Dialog zwischen Fernsehsendern und Zuschauern findet statt. Das allein ist durchaus schon eine Form von „Social TV“.

Eine Entwicklung hat aber in Deutschland noch nicht den Durchbruch geschafft. Die Rede ist von „Social TV“-Anwendungen als Kombination aus Dialog zwischen den Zuschauern, zwischen Sendern und Zuschauern und sendungsintegrierter Mitbestimmung und Interaktion. Vor allem jüngere Menschen befinden sich, während sie fern schauen, immer häufiger parallel in sozialen Netzwerken, sei es über den PC, Tablet oder das Smartphone. Dort tauschen sie sich mit anderen Usern, seien es Freunde oder Unbekannte, auch über die Fernsehsendungen, die sie schauen, aus.

Dieses Phänomen des „Second Screen“ sollten Sender noch mehr nutzen, um Teile ihrer Sendungen auszulagern, um Plattformen zu schaffen, auf denen sendungsbezogene Interaktivität geboten wird, auf denen Zuschauer untereinander, aber gleichzeitig mit den Machern und Sendern in Kontakt treten können. Unabhängige Anwendungen aus den USA, wie „Miso“, „GetGlue“ oder „TundedIn“ machen es möglich, dass Zuschauer mitteilen können, was sie schauen (sogennante „Check Ins“) und sich darüber austauschen können. Auch in Deutschland gibt es bereits erste ähnliche Anwendungen. „Tweek“ ist eine davon.

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GetGlue – das meistgenutzte soziale Netzwerk für Unterhaltung

Die Entwicklung geht derzeit also in Richtung dieser o.g. unabhängigen Anbieter. Kooperationen der Sender mit diesen Anbietern wären denkbar. Integrationen von interaktiven Tools von Seiten der Sender in die jeweilige Seite der Sendung in der Anwendung wären dann möglich. Ein anderes Szenario könnte folgendes sein: Die Sender schaffen selbst auf ihren Websites Plattformen für die Second-Screen-Nutzung und integrieren dort Facebook- und Twitterfeed, als auch interaktive Tools. Drittens wäre auch eine Kooperation unter den Sendern möglich, um eine gemeinsame Social-TV-Anwendung zu schaffen.

Dies sind nur Szenarien. Fest steht jedoch, dass durch Social-TV-Anwendungen das Fernsehen in den kommenden Jahren zu einem interaktiveren Medium werden dürfte. Vielleicht steckt hierin auch die größte Chance für dieses „alte“ Massenmedium, eine Renaissance zu erleben.

Patrick Sporleder
Studiengang Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg


 

 

 

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