Investor Relations und Social Media

Wir befinden uns im Jahre 2011 n. Chr. Die gesamte Unternehmenskommunikation ist von den Social Media besetzt… Die gesamte Unternehmenskommunikation? Nein! Eine von unbeugsamen IR-Managern bevölkerte Abteilung hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Verantwortlichen der Investor-Relation-Abteilungen deutscher Aktiengesellschaften, die sich inzwischen auf nahezu jeder Tagung anhören müssen, welch wachsende Bedeutung das Web 2.0 auch für die Finanzkommunikation besitzt.

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Die meisten Großunternehmen und Konzerne haben  die umfangreichen Potenziale der Social Media erkannt und nutzen sie beispielsweise für die Bereiche Marketing, Human Ressources sowie Forschung & Entwicklung. Das leuchtet ein, unterhalten sich doch dort permanent und öffentlich Millionen von potenziellen Kunden, zukünftigen Mitarbeitern und klugen Köpfen. Noch nicht recht durchgesetzt hat sich jedoch die Erkenntnis, dass dort auch Wirtschaftsjournalisten, Analysten, institutionelle Investoren und private Kleinanleger aktiv sind. Eine systematische Nutzung der verfügbaren Bandbreite von Social-Media-Kommunikation für die Investor Relations ist in Deutschland bislang die Ausnahme. Dabei können insbesondere Unternehmen aus den Nebenindices des DAX über Social Media online ihre Präsenz stärken, die Informationsflüsse verbessern und sogar erstmalig mit sämtlichen Stakeholdern in einen direkten Dialog eintreten.

Zugegebenermaßen ist es in der praktischen Umsetzung nicht ganz einfach, da das Buzzword „Social Media“ ein komplexes Universum an unterschiedlichsten partizipativen Plattformen mit unterschiedlichsten Funktionen darstellt. Zudem ist jedes Unternehmen einzigartig mit individuellen Ressourcen, Zielen und Anforderungen. Man muss also für jedes einzelne Unternehmen mit seiner speziellen Aktionärsbasis individuell analysieren und bewerten, welche Inhalte und Kanäle im Web 2.0 sinnvoll zu nutzen wären. Dazu hier einige konkrete Anregungen:

Private Investoren nutzen die Social Media heute in der Breite und haben in Ermangelung klassischer persönlicher Kanäle nahezu ausschließlich im Internet die Möglichkeit, sich zeitnah und umfassend über das Unternehmen zu informieren. Sie lernen das Unternehmen beispielsweise über Wikipedia und Videoplattformen wie Youtube kennen und schätzen. In spezialisierten Foren und Social Networks diskutieren sie über Unternehmen und Aktienkurse.

Institutionelle Investoren nutzen die Social Media privat zwar genau so intensiv, treten in ihrer beruflichen Funktion jedoch kaum aktiv auf. Vielmehr lesen sie passiv auf Spezialisten-Blogs und lassen sich die für sie relevanten Online-Quellen per RSS-Feed zutragen.

Wirtschaftsjournalisten werden bei ihrer Recherche nach interessanten Geschichten immer häufiger in den Social Media fündig und können sich dort auch gleich umfassend informieren. Beispielsweise auf Blogs oder Plattformen für Dokumente und Präsentationen wie SlideShare. Bei dem Microblog Twitter erhalten sie über ihr Netzwerk relevante Meldungen in Echtzeit.

Analysten ziehen ebenfalls fokussiert und eher passiv für sie relevante Informationen  aus dem Social Web. Hier sind neben Blogs und Foren in erster Linie Twitter sowie das Informationsnetzwerk StockTwits von Bedeutung, in dem kursrelevante Informationen unter Angabe eines Unternehmenskürzels geteilt und weitergeleitet werden. Besonders findige Analysten, die sich nicht mit den Pflichtveröffentlichungen zufrieden geben möchten, können in Social Networks wie Xing, LinkedIn oder Facebook aktiv recherchieren, wie es um Stimmung und Mitarbeiterfluktuation in Unternehmen und einzelnen Abteilungen bestellt ist.

Letzteres Beispiel macht deutlich, dass auch jene Unternehmen sich mit den Entwicklungen im Social Web auseinandersetzen sollten, die glauben, darin selbst noch nicht aktiv zu sein. In einem ersten Schritt wäre beispielsweise eine Ausweitung des Social-Media-Monitoring sinnvoll, um festzustellen, welche Akteure derzeit in welchen Kanälen über Investor Relations relevante Inhalte diskutieren.

Wieso leisten viele IR-Verantwortliche also noch Widerstand gegen die Social Media, obwohl ihre Kollegen in der Unternehmenskommunikation bereits durch diese profitieren? Die Investor Relations sind (zu Recht) ein sehr bedacht agierender – um nicht zu sagen konservativer – Kommunikationszweig. Zudem fehlt den Verantwortlichen häufig der persönliche Bezug zu den so radikal verschiedenen Social Media. Wenn sie sich diesen jedoch öffnen und einige Plattformen selbst aktiv ausprobieren und deren Funktionen kennen lernen, werden ihnen die praktischen Nutzungsmöglichkeiten für die Finanzkommunikation vermutlich wie selbstverständlich einleuchten.

Andreas Köster

Andreas Köster hat Wirtschaftskommunikation an der HTW Berlin studiert und arbeitet für die Business Intelligence Group in Berlin. Als @koesteran twittert er über Monitoring, Social Media und Investor Relations. www.online-investorrelations.de  ist sein aktueller Blog.

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6 Gedanken zu “Investor Relations und Social Media

  1. Sehr schöner Artikel! Ich hoffe, dass wird hier jetzt nicht als Eigenwerbung gesehen, aber wir haben in unserem Blog ebenso die Tage über Das Thema <a href="http://www.blog.kommoguntia.de/2011/11/teil1_ir2-0-auf-dem-pruefstand/>IR und Social Web</a> den ersten von zwei Teilen über dieses Thema geschrieben.Es dürfe wirklich interessant sein, wohin sich die Investor Relations in diesem Bereich entwickeln können und werden.Beste Grüße aus Mainz

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