Social Media – Die nächste Blase?

Aufklärer statt Berater – Medienkompetenz statt Social Media, Politik die versucht mit Datenschutz zu argumentieren und dabei von Dingen spricht (analog der Killerspiel-Debatte), die sie an sich nur wenig versteht. So könnte eine Forderung von Mark Zuckerberg lauten, wenn er die aktuellen Diskussionen in deutschen Fernsehen verfolgt oder den Offenen Brief von Ilse Aigner an seine Person liest – ein Diss auf Facebook, Google und Co., die den Datenschutz scheinbar nicht ernst genug nehmen wollen. Für die Medien mal wieder ein gefundenes Fressen, Agenda Setting par exellance.

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Den Anstoß zum Social Media-Hype haben die TV-Sender verpasst, haben es tunlichst vermieden, sich aus dem Fenster zu hängen und mit Unwissenheit zu glänzen. Andere Medien sind allerdings mit vollem Elan in die Presche gesprungen, bis die „Visuellen“ mitgemacht haben. Später haben sie alle berichtet, empfohlen, beraten, gehypt auf ganzer Linie.

Nun ist’s in aller Munde, obwohl ich mir sicher bin, dass vielerorts nur Halbwissen vorhanden ist. Wie so oft, gibt’s nun wenig Neues zu berichten, das Thema ist ausgeschlachtet und langweilig geworden; her muss Panikmache, ein kollektiver Fingerzeig gegen all die fiesen Plattformen, die ihre Dienste kostenfrei anbieten und die Mehrheit nutzt. Es setzt sich eben durch, was funktioniert und gut ist. Nur reden Politik und Medien auf einmal von Verantwortung, nehmen quasi eine Schutzfunktion ein und wollen über all den groben Unfug berichten, den die Achse des digitalen Bösen fabriziert, da Sie Daten der User nicht genügend geschützt haben soll. Dabei wird bei der ganzen Diskussion leicht vergessen, dass diese Dienste keinen Nutzer zwingen, Fotos, Kommentare, Persönliches für alle Welt öffentlich zu machen oder gar überhaupt am Netzwerk teilzunehmen. Dass diese Dienste keine Samariter sind, wirtschaftliche Interessen verfolgen und auch ihre 3,50 € verdienen wollen, dürfte wohl jedem klar sein. Darum gibt’s z. B. bei Facebook Werbung – die zwar keiner sehen will, aber selbstverständlich mit Hilfe der Angaben, Interessen und Aktivitäten der Zielgruppe ausgewählt wird. And?

Unternehmen meinen auch, Partizipient des dauergepriesenen Hypes von Social Media sein zu müssen, teils sogar ohne zu wissen was sie damit anfangen sollen. Hauptsache Me-too. Wie man sich darin bewegt, was man als Unternehmen sagt oder lieber nicht liegt im Dunkeln. Einschlägige Fachpresse und -dienste wie w&v, internet world business, Horizont, iBusiness, uva. titeln abwechselnd mit den Dauerbrennern à la „wie twittern, bloggen, posten unternehmen richtig“ oder „10, 20, 30, 50, 100 und mehr Regeln für Social Media“. Nur was haben die Maßnahmen bisher gebracht, was ist messbarer Mehrwert, welche Netiquette gilt und wer macht eigentlich die Regeln? Bei wem die Steigerung von ROI oder Reputation via Social Media tatsächlich erfolgreich und nachhaltig funktioniert hat, ist kaum bekannt – definitiv nicht bei der Mehrheit.

Was gestern Web2.0 war, wird heute Social Media genannt, morgen alles Bullshit? Wenn (wie damals) die (New Economy-) Blase platzt, fragt man sich wieder, wie das passieren konnte. „Wo wir doch soviel in Social Media investiert haben“, wird man quer durch die Bank hören können. Schuld sind für mich genau die „Hyper“, die krampfhaft versuchen alles zu kommerzialisieren – ein Prozess, der erst gesunde Rivalität verursacht und langfristig, nach der totalen Ausbeute, unweigerlich im Tod endet und damit letztendlich gute Ideen vernichtet. Meiner Meinung nach muss nicht alles zum Massenphänomen gemacht werden. Social Media ist und bleibt Web2.0 der Privatleute, die sich vernetzen und verschiedenartig kommunizieren wollen. Für Unternehmen ist das Eis bei diesen Diensten ziemlich dünn und der Aufwand nur schwer monetarisierbar. B2C kann bedingt funktionieren, B2B ist an dieser Stelle quasi sinnfrei. Wer kann mich vom Gegenteil überzeugen?

Michael P. Lange

Master-Student Medienmanagement
an der MD.H MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik in München

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