Ist Social Media für jedes Unternehmen sinnvoll?

Von allen Seiten hört man „Social Media“ egal, ob dies den privaten oder beruflichen Bereich betrifft. Es wird der Eindruck vermittelt, dass jedes Unternehmen Social Media verwenden und für sich nutzen muss, wenn nicht gar das Ende des Untenehmens für den Fall, dass ein Unternehmen sich dem Social Media Hype wiedersetzt, prophezeit wird. Aber ist Social Media wirklich ausnahmslos für jedes Unternehmen sinnvoll? Oder gibt es vielleicht auch Unternehmen, für die Social Media keinen Sinn macht, bzw. die Zielgruppe nicht erreicht bzw. erreichen kann? Diese Fragen tauchten bei mir in Bezug auf eine Seminararbeit bei Thomas Mavridis für mein Masterstudium auf.

Für diese Arbeit habe ich mich ausführlich mit dem Unternehmen Ravensburger und seiner Kommunikationspolitik befasst. Ravensburger dürften die Meisten noch aus ihrer Kindheit kennen, denn das Unternehmen stellt Kinderspiele, Puzzles, Kinder- und Jugendbücher und Lernsoftware her. Die Kernzielgruppe des Unternehmens sind also Kinder, welche dann noch in Babys, Kleinkinder und Schulkinder unterteilt werden können. Dazu kommen natürlich noch die Eltern bzw. Verwandte, welche die Ravensburger Produkte letztendlich für die Kinder kaufen, da Kinder in dem Alter oft noch kein eigenes Geld zu Verfügung haben oder dieses für größere Produkte nicht ausreichen würde. Im Vergleich zu den Unternehmen von Kommilitonen fiel auf, dass Ravensburger das einzige Unternehmen ist, das sich kaum im Social Media Bereich engagiert. Bei Twitter ist zwar der Name Ravensburger gesichert, der Account hat aber weder ein Bild noch einen Tweet verfasst. Bei Facebook gibt es eine zwar eine Facebookfanseite von Ravensburger, die auch über 600 Fans hat, diese ist aber komplett auf Italienisch verfasst und auch die Updates sind in Italienisch.

Nun stellt sich also die Frage, ob diese Zielgruppe durch Social Media Aktivitäten bei Facebook oder Twitter erreicht werden kann? In diesem Fall ist, zumindest für die Kernzielgruppe, die Kinder, diese Frage wohl eindeutig mit einem Nein zu beantworten. Denn bei Babys und Kleinkindern ist nicht davon auszugehen, dass diese bei Facebook registriert sind und nebenbei auch noch Twittern. Bei den Schulkindern ist diese Einschätzung bereits schwieriger, aber auch diese werden sich kaum in den herkömmlichen Social Media Bereichen aufhalten, da es für Grundschüler und für ältere Schüler eigene Communities im Netz gibt, wie beispielsweise den Toggo-Clever-Club oder andere, nach außen abgesicherte Plattformen für die Kleineren und Schüler-VZ oder knuddels.de für die Größeren. Nachdem Social Media Aktivitäten bei abgesicherten Plattformen nicht möglich sind, hier wären höchstens direkte Kooperationen mit der Community eine Möglichkeit, kämen nur die älteren Schüler für Social Media Aktivitäten in Betracht. Hier müssten aber andere Wege und Plattformen genutzt werden, wie dies bei anderen Unternehmen der Fall ist. Hier ist dann wieder zu hinterfragen, ob die Schüler, welche dann erreicht werden könnten, nicht bereits zu alt für die Zielgruppe von Ravensburger sind.

Die einzigen Personen aus der Zielgruppe, welche wirklich von Social Media erreicht werden, sind also die Erwachsenen, welche Ravensburger mögen und die Produkte dann für Ihre Kinder kaufen. Hier würde es sich allerdings auch empfehlen anstatt der italienischen Facebookseite lieber eine allgemeine, englischsprachige Seite zu etablieren, auf der Fans aus ganz Europa etwas verstehen. Ob der personelle Aufwand zur Wartung der Social Media Aktivitäten bei einem Unternehmen wie Ravensburger im Verhältnis zur erreichten Zielgruppe stehen, ist natürlich fragwürdig. Es ist auf jeden Fall festzustellen, dass es durchaus Unternehmen gibt, für die Social Media sinnvoller ist als für andere. Die Frage, ob der Aufwand in einem sinnvollen Verhältnis zu der eingesetzten Zeit steht, muss aber wohl jedes Unternehmens für sich selbst entscheiden, aber der Hauptgrund in Social Media aktiv zu werden, sollte niemals sein, dass es jeder macht.

Christina Steuer

Master-Studentin Medienmanagement
an der MD.H MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik in München

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3 Gedanken zu “Ist Social Media für jedes Unternehmen sinnvoll?

  1. Deinen letzten Zeilen stimme ich absolut zu! Selbst wenn der Grund für ein Unternehmen Social Media zu nutzen ist, dem schieren Trend SM zu folgen, sollte es das mit aller Ernsthaftigkeit und vollem Einsatz tun. Denn SM nützt laut Bart De Waele gar nix, wenn Inhalt, Engagement und Expertise fehlen – wie De Waele in dieser Präsentation (http://www.slideshare.net/netlash/7-harsh-realities-in-social-media) schön aufzeigt. Bei der Firma Ravensburger bin ich mir allerdings nicht so sicher, ob sie nicht gerade ein gutes Beispiel für ein SM-geeignetes Unternehmen sind. Die (gefühlsmäßigen, gerade nicht belegten und daher thesenartigen) Gründe für mich: 1. These: Die Kunden sind überwiegend die Familienvorstände – und eben nicht Kinder und Jugendliche. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, zu irgendeiner Zeit meiner Kindheit mal selbst ein Brettspiel erstanden zu haben. Dennoch waren sie haufenweise da und wurden mit Begeisterung gespielt. Ich gehe mal davon aus, dass meine Eltern die Shoppingtäter waren.2. These: Spiele von Ravensburger, also Brett- und sonstige Gesellschaftsspiele, richten sich überwiegend an Familien, in denen GEMEINSCHAFT und GEMEINSAMES ERLEBEN groß geschrieben werden. 3. These: Diese Familien entstammen eher den bildungsnahen und aufgeschlossenen sozialen Schichten.4. These: Diese "modernen Eltern" sind oftmals auch Digital Natives, die nicht nur sehr gut gleichzeitig in digitaler und analoger Welt leben sondern beide auch gut vereinen können.5. These: Gemeinschaftliche aber auch sonstige Zerstreuungen, die eben nicht direkt an elektronische Medien gekoppelt sind, erfahren in der gegenwärtigen Inflation elektronischer Unterhaltungsmöglichkeiten einen Aufschwung. Wenn diese Thesen zutreffen, spricht für mich einiges dafür, dass Ravensburger gut in Sachen SM beraten wäre. Und wer mir handfeste Belege für die Thesen liefert, bekommt das schöne Ravensburger Spiel "Labyrinth" von mir 😉

  2. Zuerst einmal vielen Dank, für die Zustimmung. Einem Teil deiner Thesen stimme ich durchaus zu. Zu 1. Zum Großteil mag es stimmen, dass die Eltern letzendlich den Kauf tätigen, aber meiner Meinung nach ist auch der Anteil der Kinder welche die Kaufentscheidung beeinflussen sehr hoch. Denn welche Eltern kennen das bestimmte "Ich will aber dies" ihrer Kinder nicht?Bei These 2 und 3 bin ich ganz deiner Meinung und auch meine Untersuchungen zum Thema deuten sehr darauf hin. Zu These 4 glaub ich das dies die Entwicklung der nächsten Jahre ist und noch nicht eingetreten ist. Denn die Digital Natives kommen erst langsam in die Situation eigene Kinder zu bekommen. Deshalb stimme ich dir in soweit zu, als das Social Media zukünftig auch für Ravensburger ein sehr wichtiges Instrument werden kann, glaube aber das dies aktuell noch nicht der Fall ist. Auch deiner 5. These stimme ich zu. Das merke ich bereits an mir selbst, dass es manchmal einfach Erholsam ist einfach alle elektronischen Medien abzuschalten. Diese Entwicklung wird bestimmt noch weiter zunehmen. Ravensburger sollte seine aktuelle Social Media Strategie langfristig auf jeden Fall überdenken, da ich auch der Meinung bin das da zukünftig durchaus Potenziale liegen. Habe aber für die Thesen leider auch nur Andeutungen bzw. Gefühle und keine handfesten Beweise. Schade um das Labyrinth-Spiel.

  3. Man könnte vielleicht sogar sagen, dass mit der zunehmenden Vereinfachung der Botschaftenübermittlung, bei gleichzeitigem Anstieg der Übermittlungsmöglichkeiten eine fundierte und detaillierte Differenzierung der Zielgruppen immer wichtiger wird. Ich finde interessant, dass eine erfolgreiche SM-Strategie damit sehr stark von der genauen Kenntnis der Zielgruppe abhängt. Damit meine ich nicht die in der Komm-Branche oftmals übliche Verortung "aus dem Bauch heraus", sondern echte detaillierte soziologische Fachkenntnisse über die relevanten Zielgruppen.

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