Vaginal Spot begeistert das World Weib Web

„Sex and the City“ und „Feuchtgebiete“ durchziehen mit ihren Ausläufern das Internet und hinterlassen nichts als Zerstörung in den Grundfesten hinter denen sich bis heute noch die letzten Tabus zu schützen wussten. In Zeiten, in denen tiefblickende Einsichten und gelebte Freizügigkeit ein Garant für den Aufstieg in der Google-Clicklist ist, scheint sich niemand ernsthaft Gedanken über das vermittelte Frauenbild im einflussreichsten Medium unserer Zeit zu machen. Bis ins Unerträgliche gehende, intime Einzelheiten über Menschen, die man mit Sicherheit nie in seinem Leben begegnen wird – und nun vor allem auch nicht mehr begegnen möchte – sind überall mit einigen Klicks zu erfahren. Alles nach dem Vorsatz eines neuen verstörend freizügigen Feminismus, der sich für nichts schämen und vor nichts verstecken muss. Da ist es nicht verwunderlich das auch ein junges Team von kreativen Köpfinnen mit neuen Perspektiven experimentierte, bis sich der für das beworbene Produkt wohl passendste Point of View gefunden hat. Im Auftrag des Pharmariesen GlaxoSmithKline entstand für das Intimpflegemittel Lactacyd Feminina ein Werbespot, der dem Konsumenten Tampons, Unterwäsche und männliche Unterleiber vor Augen hält und die Verletzlichkeit des weiblichen Intimbereichs verdeutlicht. Begeisternde 280.000 Klicks auf Youtube bescheinigen dem fast ausschließlich mit der Produktzielgruppe besetzten Team der Agentur Grey Amsterdam, dass sich die Rezipienten in der aufgedrängten Rolle wohlfühlen.

Nach anfänglich vorsichtigen Vorstößen von GlaxoSmithKline in das für einen Pharmakonzern sensibles Thema Social Media, scheint spätestens hier nun jede Scham verflogen. Nicht nur die Schwierigkeit in den aufgeladenen Themen wie Tod und Krankheit den richtigen Ton zu treffen, sondern auch die immanente Möglichkeit des direkten Feedbacks können für ein Unternehmen dieser Größenordnung von immensem Nachteil sein. Da verwundert dieser Mut zur grenzenlosen Kreativität zunächst enorm und kann sich einem generell positiven Urteil auch nicht entziehen.

Hier scheint man jedoch den für die heutige Zeit richtigen Weg gegangen zu sein und den Nerv des Publikums getroffen zu haben. Mit den Videoplattformen trifft man die erogenen Zonen des Internets und man kann sich immer sicherer sein, das sich Aufmerksamkeit, egal in welcher Form geschaffen, auf welchem Wege erreicht und aus welcher Perspektive beäugt, im Internet mit Begeisterung gleichsetzen lässt. Zu guter Letzt ist freudig anzumerken, dass Konzerne wie Zewa von einem Perspektivwechsel absehen – aber wie lange noch?

Benjamin Heurich

Master-Student Medienmanagement
an der MD.H MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik in München

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2 Gedanken zu “Vaginal Spot begeistert das World Weib Web

  1. Auf Youtube ist das Video nur mit Account zu sehen. Aber es gibt Seiten, auf denen der Spot für alle und ohne Anmeldung läuft…

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