Wenn die Public Relations die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet

Samstag, 17. April 2010. In Auckland geht gegen 20 Uhr ein Notruf bei der Polizei ein. Passanten geben an, von einem jungen Mann mit bandagierten Händen mit einer Pistole bedroht zu werden. Als die Beamten wenige Minuten später mit einigen Streifenwägen am „Tatort“ eintreffen – die Überraschung: Der Bewaffnete war lediglich ein Schauspieler mit einer Spielzeug-Kanone, eingesetzt von der PR-Agentur Monaco Corporation. Diese wollte mit der Aktion das neue Computerspiel Splinter Cell Conviction der Firma Ubisoft ins Gespräch bringen, was Ihnen sicher auch gelungen ist. Für den Schauspieler war der Einsatz allerdings lebensgefährlich: Die Polizei hätte ihn fast erschossen. Zudem stellt sich die Frage: War die Aktion ethisch-moralisch vertretbar oder hat die Agentur mit dieser Idee die Grenzen des guten Geschmacks übertreten?

Passanten in Angst und Schrecken zu versetzen, nur um ein neues Videospiel zu promoten, ist sicher der falsche Weg. Besonders in einer Zeit, in der man nahezu täglich von Terroranschlägen auf der ganzen Welt hört. Wie hätten die Bedrohten erkennen sollen, dass es lediglich eine Spielzeug-Pistole ist, die auf sie gerichtet wurde? Jeder Mensch, der mit einer Waffe bedroht wird, hat wohl Todesangst. Angst ist aber definitiv nicht die Emotion, die eine PR-Kampagne auslösen sollte. Sie sollte Menschen zum Lachen bringen, erstaunen, überraschen, verführen oder einfach dazu bewegen, über etwas zu sprechen.

Letzteres jedoch nicht deswegen, weil man dem Tod ins Auge geblickt hat. Der Satz „Schlechte PR ist besser als keine PR“ ist auf dieses Beispiel sicher anwendbar, denn auch Menschen wie ich, die kein Interesse an Computer-Spielen haben, haben durch die Kampagne auch von der Neuerscheinung gehört, weil man über die Aktion spricht und schreibt. Das ist ja auch eines der obersten Ziele der Public Relations: Etwas bekannt zu machen und die Leute dazu zu bringen, darüber zu reden und zu schreiben, einfach etwas weiter zu erzählen. Aber wie PR-Fachmann Carl Hundhausen schon wusste: PR ist auch Werbung um Vertrauen. Passanten mit einer Waffe zu bedrohen, weckt jedoch alles andere als Vertrauen. Zudem verletzt die Aktion Punkt 12 des Code d’Athènes, der besagt, dass die PR es unterlassen sollte, „sich für Aktionen oder Vorhaben herzugeben, die gegen die Moral verstoßen, die Menschenwürde verletzen oder in den Bereich der Persönlichkeit eingreifen“. Die Monaco Corporation hat mit ihrem „PR-Gag“ nicht nur den internationalen Moral-Kodex der Public Relations verletzt, sondern auch mit der Furcht derjenigen gespielt, die aus Angst um ihr Leben die Polizei gerufen haben. Und das ist ethisch einfach nicht tragbar – mit der unseriösen PR-Kampagne hat die Agentur die Grenzen des guten Geschmacks völlig überschritten. Nicht jedes Mittel ist recht, um etwas ins Gespräch zu bringen. Schlechte PR ist eben doch nicht immer besser als keine PR.

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