Politik muss auch weiterhin richtig kommuniziert werden – die Frage ist nur: Wie?

Die Debatte um Hartz IV ist wohl ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig es für politische Parteien ist, ihre Ziele und Vorstellung richtig zu kommunizieren. Man kann nun für oder gegen die Reform der Arbeitslosen-  und Sozialhilfe sein, doch eines ist klar: hätte die SPD ihre Argumentation auf eine breitere Kommunikationsbasis gestellt, dann wäre der Partei wohl das ein oder andere Wahldebakel erspart geblieben. So kritisiert SPD-Politiker Hans-Ulrich Klose – Hamburger Bürgermeister von 1974 bis 1981 und heute Koordinator für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit – Gerhard Schröder dafür, dass er sich nicht hinreichend darum gekümmert hat, der Bevölkerung den Sinn von Hartz IV zu erläutern. Stattdessen hätte er viel mehr die für ihn typische „Basta-Mentalität“ ausgespielt. Ein Faktum, das dem Image der SPD offensichtlich geschadet hat.

Doch reicht es in diesem Zusammenhang auch nicht, sich auf althergebrachte Methoden der poltischen Kommunikation zu verlassen. Im Zuge der sich ausbreitenden Popularität von Internet-Angeboten nutzen laut einer Studie des Pew Internet Project 92 Prozent der US-Bürger mehrere Quellen, um sich über das Tagesgeschehen zu informieren. Dabei steht das Internet als Informationskanal bereits an dritter Stelle. Deshalb ist es auch für Politiker äußerst wichtig, den Anschluss nicht zu verpassen. Obama hat es bereits mit seiner Plattform my.barackobama.com und seinem youtube-Kanal vorgemacht, wie man als Politikschaffender das Internet zum eigenen Vorteil nutzen kann. Der amerikanische Präsident hatte dabei einen solch immensen Erfolg, dass sich deutsche Politiker immer mehr dem Trend anbiedern, teils mit mehr, teils mit weniger Erfolg.

Heißt das nun, dass sich politische Artikulation in den nächsten zehn oder 20 Jahren immer weiter ins Web 2.0 verlagert? Und wenn ja, bringt das den Bürgern mehr Vorteile, wenn sie via Facebook, Twitter & co. quasi in direktem Kontakt mit den Volksvertretern stehen oder laufen sie Gefahr, auf Dauer einseitig informiert zu werden?

Manche Blogger schreiben sehr richtig, dass die personalisierte Politik-PR auf Dauer zunehmen wird. Da Obama es schon erfolgreich vorgemacht hat und deutsche Politiker bereits ebenfalls Social Media verwenden, kommen andere – auch aus der zweiten und dritten Reihe – nicht mehr umhin, ebenso im Web zu zwitschern. Doch bin ich nicht der Meinung, dass dadurch die Unterstützung an der jeweiligen Basis zunehmend unwichtig wird. Denn eine Partei legitimiert sich nicht nur dadurch, dass sie gewählt wird, sondern auch, dass sich interne Arbeitskreise und –gemeinschaften mit der inhaltlichen Ausgestaltung befassen und der Parteispitze Paroli bieten. Wer würde schon eine Ein-Mann-Partei wählen?

Und wie steht es um die Informationsbeschaffung via Blogs und sozialen Netzwerken? Nun, ich nicht erkennen, dass durch die digitale Revolution der klassische Journalismus in Gefahr ist. Sicher, die Bürger – darunter gerade die Jüngeren – werden sich zunehmend der Social Media bedienen, um sich über ihren Favoriten im Wahlkampf zu informieren.  Doch werden die Menschen deshalb auf umfassende Hintergrundberichte aus dem Bereich des klassischen Journalismus  verzichten? Wohl kaum. Veronika Kreitlmeier weist etwa auf die Gefahr hin, dass Blogs trotz ihrer vielfältigen Möglichkeiten auch tendenziös sein können. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein ungeübter Internetnutzer in die Irre geführt wird.

Nein, ich sehe die Zukunft optimistisch. Ich glaube, letzten Endes setzen sich jeweils die positiven Elemente aus beiden „Gattungen“ durch: die Professionalität des althergebrachten Journalismus und die innovative sowie äußerst kritikfähige Kraft der Blogs. Wähler in 20 oder 30 Jahren werden sicher beides nutzen, um sich umfassend zu informieren. Nur eine Frage bleibt offen, über die ich heute noch keine Prognose wage: verschwinden gedruckte Presseerzeugnisse irgendwann komplett oder werden wir unsere Lieblingszeitung weiterhin am Kiosk kaufen können anstatt sie uns auf unseren Tablet-PC zu laden? Wie dem auch sei, am Ende zählt immer der Inhalt!

Markus Teubert

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