Persönlichkeitsstriptease im Netz – wie privat sind private Netzwerke?

Ein Tag noch, dann ist es soweit, dann können sich die Redakteure von TV Total wieder mit nicht-musikalischen Themen beschäftigen. Ein Tag noch, dann ist er vorbei – der Eurovision Song Contest. Dann wird sich zeigen, ob Lena Meyer-Landrut, auch ohne den Wettbewerb, den Hype um ihre Person aufrecht erhalten kann. Bisher hat die Medienmaschinerie für sie perfekt funktioniert. Seit ihrem ersten Auftritt bei der Sendung „Unser Star für Oslo“ wird sie von den Medien als Ausnahmetalent oder persönliches und musikalisches Phänomen gehandelt.

Überraschend ist dabei, dass sie diese Aufmerksamkeit bisher ausschließlich durch den öffentlichen Teil ihres Lebens und ihre Musik erzeugt hat. Selbst ein kleiner Busenblitzerskandal wurde schnellstmöglich ins rechte Licht gerückt. Schließlich handelte es sich dabei um eine Fernsehrolle. Und auch der Kurzauftritt ihres Vaters in den Medien, wurde nicht lang mit Beachtung gewürdigt. Selbst ihre eigene Homepage und ihr offizieller Facebook-Account bieten ausschließlich Informationen, die sich auf ihr öffentliches Leben beziehen.

Wer ihr zu dieser Strategie gegenüber den Medien geraten hat, ist nicht schwer zu erraten. Ihr Mentor Stefan Raab gehört, neben Harald Schmidt und Günther Jauch, wohl mit zu den deutschen Prominenten mit dem geheimsten Privatleben. Wie lange Lena Meyer-Landrut dieser Strategie aufrecht erhalten kann, steht noch in den Sternen. Sollte sie beim Eurovision Song Contest Erfolg haben, wird sich der Druck der Presse auf sie wohl zunächst nochmal steigern – falls nicht, stellt sich die Frage, wie sie die Aufmerksamkeit halten kann.

An ihrem Beispiel lässt sich jedoch erahnen, wie groß das Heer aus Aufpassern sein muss, dass sich um den Schutz des Privatlebens eines Prominenten kümmert. Private Nutzer müssen sich jedoch selbst um die Informationen kümmern, die sie im Internet über sich bereit stellen. Die Wenigsten setzen sich jedoch aktiv damit auseinander, welche Informationen tatsächlich über sie im Internet kursieren. Und dass, obwohl 34 Prozent aller Deutschen, bei den 14 -19-Jährigen sogar 81%, private Netzwerke nutzen. Das Nutzen von Online-Communities gehört bei den meisten 14 – 30-Jährigen mit zu den am häufigsten Onlineanwendungen. Facebook ist dabei, mit fast sieben Millionen Mitgliedern, auch in Deutschland Marktführer.

Eine Studie aus Österreich zeigt dabei, wie leichtfertig gerade jugendliche mit ihren persönlichen Informationen umgehen. Rund 70% geben dabei an, eigene Fotos oder Filme zu posten – das ihnen die Informationen, die sie über sich selbst veröffentlichen, irgendwann schaden könnten, glauben jedoch lediglich 10% der Nutzer. Diese Daten lassen sich in ähnlicher Form sicherlich auch für Deutschland annehmen. Nun ist es auch nicht grundsätzlich schlecht, persönliche Daten auf Social Networks zu veröffentlichen, jedem Nutzer sollte jedoch bewusst sein, was mit den eigenen Daten tatsächlich passieren kann. Denn privat sind diese privaten Netzwerke schon lange nicht mehr. Die letzten Änderungen in den Datenschutzrichtlinien verschiedener Online-Communities zeigen, dass die Netzwerke immer freizügiger mit den Daten ihrer Nutzer umgehen – und dies meistens, ohne die Nutzer tatsächlich darüber zu unterrichten.

Doch die Mitglieder wehren sich, gerade wenn es um die Übertretung ihrer Persönlichkeitsrechte geht. Und zu diesem Bereich gehört zu gewissen Teilen auch die gewerbliche Nutzung der Informationen, die User in Social Networks hinterlassen. Verschiedenen Versuchen der unterschiedlichen Networks, die Werbung auf ihren Seiten zu personalisieren, wurden von den Usern mit starken Protesten begegnet. Für die Meisten sind die verschiednenen Netzwerke eben immer noch primär ein Medium zur privaten Kommunikation mit Freunden. Wie lang sich dieser Zustand jedoch noch aufrecht erhalten lässt und wie lang die Netzwerkbetreiber noch auf die Protestaktionen ihrer User reagieren, ist jedoch fraglich. Schließlich ist personalisierte Werbung aus dem Internet inzwischen nicht mehr wegzudenken, wie jeder Nutzer von Google-Angeboten bestätigen kann. Wer diese Art der Werbung auch aus Social Networks fernhalten will, dem bleibt über kurz oder lang nur ein Wechsel, weg von den Marktführern.

Beate Mangold

 

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