Alle sind gleich vor Social Media!?

Dass die Schere zwischen arm & reich, dick & dünn, gebildet & dumm (die Liste lässt sich beliebig fortführen) immer größer wird, ist hinlänglich bekannt und Grund zahlreicher politischer Maßnahmenpakete. Als neue Hoffnung kommt das Web 2.0 auf dem weißen Schimmel daher und verheißt zumindest das Ende der zunehmenden Ungleichheit zwischen bekannt & unbekannt. Hier hat jedermann die Chance berühmt zu werden, seine geistigen Ergüsse zu predigen und in Kontakt mit allen Usern zu treten, jenseits der Grenzen der Schichtzugehörigkeit. Jeder kann zum Star   werden, auch ohne PR-Maschinerie im Hintergrund. Alle Menschen sind gleich vor Social Media.

Oder doch nicht?

„Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat“  (Mt. 25,29).

Gilt die Prophezeiung von Matthäus für das Web 2.0?

Schon viele Köpfe haben sich ihre Gedanken über diesen Spruch gemacht, noch vielen Köpfen mehr ist er beinahe inflationär und meist mit viel Zynismus über die Lippen gekommen. Erreicht die (frohe?) Botschaft auch das Web 2.0?

Hierzu  wurde kürzlich eine Studie  durchgeführt, in der das Zitat auf seine Gültigkeit für die Social Media geprüft wurde. Getestet wurde, ob Twitterati (Definition: Die Elite der Twitterer ) mit mehr Followern einen stärkeren Zulauf an Followern haben als ‚kleine‘ Accounts. Die Hypothese hat sich nicht bestätigt, denn es gab keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Follower und des Wachstums des Accounts. Auch kleine Accounts können einen hohen Zuwachs an Jüngern haben. Die Reichweite der Prophezeiung von Matthäus scheint also vor den Sozialen Medien einen Halt gemacht zu haben.  Welche Faktoren das Wachstum eines Accounts bedingen, konnte im Rahmen der Studie leider nicht untersucht werden. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf die gesamte Soziale-Medienlandschaft übertragen, geben aber einen Hinweis darauf, dass im Web nicht nur die Großen mitreden und gehört werden.

Wachstum

Trotzdem kann nicht verleugnet werden, dass Akteure mit vielen Kontakten in den Social Media, seien es Profile in sozialen Netzwerken oder Blogs, mehr Relevanz besitzen als kleine Akteure. Sie haben folglich auch mehr Gewicht bei Kommunizierung von Nachrichten und für die Meinungsbildung, da ihre Vernetzung dichter, tiefer und weiter ist. Damit ist gemeint, dass sie zunächst viele Kontakte im gleichen Medium haben, mit anderen Netzwerken und mit unterschiedlichen Typen sozialer Medien verbunden sind. Auf Profilseiten gibt es Links zum eigenen Blog, der als Feed abonniert werden kann oder getwittert und weiter-getwittert wird… Eine Nachricht, die kommuniziert werden soll, kann also einfach auf den bereits gebauten Straßen zum nächsten Kommunikations-Knotenpunkt rasen ohne immer wieder einen Anschub vom Kommunikator bekommen zu müssen.

Für die Online-PR bedeutet das zunächst viel Arbeit im Web, denn Homepages, Blog, Foren und Profile müssen betreut, gepflegt und gefüttert werden. Aber es könnte sich lohnen, denn später läuft Kommunikation einfacher ab. Wer sich etwas aufgebaut hat und bereits „jemand ist“, der wird wieder zitiert und wird noch größer, denn Tausende von Fans, Profilansichten können nicht irren. Auch die technologische Entwicklung unterstützt die Vernetzung der Netzwerke, so dass am Ende eine Art Meta-Netzwerk entsteht, in welchem die Giganten von selbst wachsen und kleine Accounts koexistieren, aber nicht entdeckt werden. Das nennt sich dann der Matthäus- Effekt, welcher unter anderem auch –zum Leid der Wissenschaftlichkeit- beim Zitieren wissenschaftlicher Arbeiten auftritt.

Es ist aber auch möglich und sehr realistisch, dass sich -analog zur Realität- virtuelle Milieus bilden, die nach inhaltlichen Aspekten und Interessen strukturiert sind. Dort  werden neben „Globalplayer “ auch mittlere bis kleinere Akteure Relevanz besitzen und mitreden. Welcher Jünger der Social Media möchte eine andere Prognose abgeben? 

 

Regina Neumann

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