Standards in der Online PR – Gedanken, Gründe, Gewinn

Seit Mitte April 2010 stehen jetzt nun die vom Deutschen Rat der Public Relations (DRPR) ausgearbeiteten Richtlinien zur Diskussion und haben für reichlich Aufmerksamkeit gesorgt. Der DRPR fungiert als freiwilliges Selbstkontrollorgan in Deutschland tätiger PR-Fachleute. Die Träger-Vereinigungen sind die DPRG, die GPRA, der BdP und die degepol.

Ganz im Sinne von Social-Media konnten die 6 Grundsätze ein Monat lang besprochen und kritisiert werden. Die Kommentare sind vielfältig und beleuchten sehr unterschiedliche Aspekte der Richtlinien. Diese Aspekte halte ich dabei für besonders erwähnenswert:

So gibt Überschrift und Präambel Grund zu Kritik. Die Überschrift stellt klar, dass es hier um PR geht. Definiert wird aber nicht, welche Aktivitäten im Netz genau unter Public Relation fallen. So muss die Marketing-Abteilung einer Organisation ihre Social-Media-Aktivitäten nicht unbedingt unter dem Begriff PR laufen lassen. Auch der Adressatenkreis der in der Präambel vorgestellt wird muss ausgeweitet und genauer beschrieben werden. Der Aufruf an Unternehmen lässt Maßnahmen von Parteien, Vereinen, Organisationen, Initiativen und sonstigen Vereinigungen unberührt, die nicht minder an der „Meinungsmache“ beteiligt sind. Weiter gedacht, stellt mir nicht nur die Frage nach dem WER sondern auch nach dem WARUM. Nach einer Umfrage, die 2007 vom Bundesverband deutscher Pressesprecher (BdP) durchgeführt wurde, kennen nur 8% der Befragten aus diesem Berufsfeld den Moralkodex „Code d’Athènes“ oder den Verhaltenskodex „Code de Lisbonne“ gut und 53% kennen ihn gar nicht. Und was ist mit all denjenigen, die sich im Netz tummeln und nicht zum Berufsstand der PR-Fachleute gezählt werden, sondern sich dem Marketing oder keiner der beiden Gruppen, sondern nur ihrer eigenen Organisation zugehörig fühlen? Also warum sollten diese Richtlinien zu mehr Bekanntheit und Akzeptanz führen als die bestehenden Kodizes?

Und welche Notwendigkeit gibt es überhaupt für PR-Kodizes? Warum sollten sich die PR-Experten derart beschränken? Ein Grund liegt auf der Hand: Besser selbst beschränken als einschränken lassen. Aber es gibt auch noch weitere Gründe. PR wird von Journalisten, Medien und der Öffentlichkeit besonders kritisch beäugt. Von einem moralischen Fehlverhalten eines Einzelnen wird schnell auf die ganze PR-Branche geschlossen. Richtlinien könnten nicht nur der Orientierung dienen, sondern auch helfen solchen Fehltritten vorzubeugen. Weitere positive Effekte der Richtlinien sind, dass sie die Glaubwürdigkeit einer Organisation verstärken und eine allgemeine Professionalisierung der PR herbeiführen können. Obwohl man wahrscheinlich nie verhindern kann, dass schlechte Pressemeldungen in Umlauf gebracht werden – man kann auch nicht verhindern dass schlechte Serien im Fernsehen gezeigt werden-. Aber die Richtlinien wollen ja auch nicht vorgeben „Wie schreibe ich eine tolle Pressemeldung“ sondern den Nutzer von Blogs, Foren und sonstigen Plattformen vor „Schleichwerbung“ unter vorspielen falscher Tatsachen schützen. Die Notwendigkeit für Onlinerichtlinien ist also gegeben.

Was die Ausgestaltung der Grundsätze betrifft, wurden in den vergangenen Wochen unter anderem auch folgende Bereiche angeregt diskutiert, die ich nicht unkommentiert lassen möchte: Absenderklarheit von Beiträgen in Onlineplattformen – Ich denke man kann nicht verlangen, die Signatur einer Twitter-Nachricht ausführlicher zu gestalten als die Nachricht selbst. Hier muss das richtige Maß gefunden werden und die Ausprägung der Transparenz des Absenders der Plattform üblich/angemessen angepasst werden. Die genaue Abgrenzung von privater und beruflicher Kommunikation gab auch Grund zum Meinungsaustausch. Die Unterscheidung ist wichtig, aber hier sehe ich jeden einzelnen und seine moralischen Grundsätze in der Verantwortung.

Ich bin gespannt auf die Überarbeitung des DRPR und noch viel gespannter auf die Anwendung und Durchsetzung der Onlinerichtlinien!

Eva Graeff

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